2018, das letzte Jahr des Friedens?

Willy Wimmer, der frühere Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium befürchtet, mit einem Giftgasangriff unter falscher Flagge in Syrien könnte ein grösserer Krieg vom Zaun gerissen werden.

Der frühere Staatssekretär im deutschen Verteidigungsministerium Willy Wimmer, der 33 Jahre lang Bundestagsabgeordneter war, warnt in einem Artikel vom 7.9., dass „das Washingtoner Establishment und seine Londoner Hintersassen drauf und dran sind“, durch einen Giftgasangriff unter falscher Flagge in Syrien und/oder als Reaktion auf den angeblichen  Giftmordanschlag auf den Ex-Agenten Skripal „die Gründe für den nächsten grossen Krieg zu zimmern“.

Anders als die meisten Beobachter und Medien des deutschen Establishments hat Wimmer sich klar gegen die Hexenjagd auf Trump gestellt. Eine Woche zuvor hatte er in einem Kommentar zum Weltfriedenstag am 1.9. vor einem Weltkrieg gewarnt, falls Trumps Gegner nach der Kongresswahl soviel Macht hinzugewinnen, dass sie ihn stürzen können. Der Kommentar, der u.a. am 3.9. im deutschsprachigen Internetportal von Russia Today erschien, trägt den Titel „2018 wird uns wohl als letztes Friedensjahr in Europa in Erinnerung bleiben“.    

Wimmer betont dort: „Die Anti-Trump-Koalition, die sich in den bisherigen Führungsfiguren McCain und Hillary Clinton manifestierte, stand seit langem für den Aufmarsch und damit die Verwicklung in einen Krieg. Wenn Präsident Trump nicht mehr im Amt sein sollte, wer hindert dann diese parteiübergreifende Koalition daran, ihre zuvorderst gegen die Russische Föderation gerichteten Pläne umzusetzen? ... Mit der Beseitigung von Präsident Trump wäre der Damm, der den fragilen Frieden aufrechterhält, gebrochen.“

«Es genügt vollauf, sich das Hasspotential angelsächsischer Globalmedien in den vergangenen Jahren anzusehen», schreibt Wimmer, «um sich angewidert abzuwenden. Das, was sich in den USA zeigt, ist nicht mehr die normale oder gar zugespitzte politische Auseinandersetzung. Es ist der Weg zur Vernichtung des so empfundenen Gegners der amerikanischen Kriegskoalition. Damit erhält man eine Vorstellung von der Wucht des ,tiefen Staates’.“ Die Nachrufe auf den verstorbenen Senator McCain seien ein Beleg dafür, „wo das Herz europäischer Regierungschefs schlägt. Da kommen Trump, der Frieden in Europa, ja, auf der ganzen Welt nicht vor.“

Wimmer fragt: „Wo sind eigentlich die Konsequenzen aus der blutigen europäischen Geschichte des letzten Jahrhunderts? Warum werden Konsequenzen nur dann gezogen, wenn sie ins Kalkül bestimmter Mächtegruppen passen? Warum wird die deutsche Konsequenz aus zwei Weltkriegen nicht als Verpflichtung empfunden?“ Stattdessen unterstütze die Bundesregierung die Ukraine mit Milliarden, obwohl sich das Land faschistischer Kampfverbände gegen die russischsprachige Bevölkerung im eigenen Land bediene.

Wimmer erinnert an die anstehenden Jahrestage der Beendigung des Ersten Weltkriegs (1918), des Beginns des Zweiten Weltkriegs (1939) und der Gründung der NATO (1949) als Mahnungen für die Gegenwart. Er schliesst mit einem Rückblick auf 1918: „Versailles und seine Folgen machen den gravierenden Unterschied zum Friedensschluss von Münster und Osnabrück des Jahres 1648 deutlich.“ Nach dem Ersten Weltkrieg hätten sogleich die Vorbereitungen eines Folgekrieges begonnen. „Ist es ... bald wieder soweit?“

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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13. September 2018
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