Ein schwarzes Jahr für BlackRock

Nachdem die „Bankenstreßtests“ der Europäischen Zentralbank (EZB) 2016 und 2018 vom Vermögensverwaltungsfonds BlackRock durchgeführt wurden, fragen informierte Beobachter nach der Geschäftsentwicklung im letzten Jahr, ob BlackRock selbst überhaupt einen vergleichbaren Streßtest bestehen würde.

Im Januar 2018 lag der Marktwert noch bei 520 $ je Aktie, aber er fiel auf nur noch 380 $ in diesem Monat. Und die Unternehmensleitung kündigte beispiellose Entlassungen von fast 4% der weltweiten Belegschaft an. In einem internen Memorandum, das an die Webseite finews.ch und andere Medien durchsickerte, bezeichnet BlackRock-Präsident Rob Kapito die Entlassungen als „Investition“ in die wichtigsten Wachstumsoptionen des Fonds.

Das Management behauptet, 2018 sei ein hocherfolgreiches Jahr gewesen, aber die Zahlen zeigen einen anderen Trend. Es gab eine bisher noch nicht näher erklärliche, fast vollständige Abwanderung großer institutioneller Investoren von BlackRock, ihre Anlagen schrumpften von 60 Mrd.$ 2017 auf nur noch 1,3 Mrd.$ im letzten Jahr; deshalb fiel der Fonds auch aus der Liste der zehn größten Fonds in Europa heraus. Kritische Analysten haben wiederholt gewarnt, die vom Management verbreiteten guten Nachrichten seien übertrieben und  sollten die  Krisensymptome überdecken .

Da BlackRock ein systemischer Fonds ist, könnte seine Situation auch etwas über den wahren Zustand des Finanzsystems sagen. Schließlich war er einer der großen Gewinner der Krise 2008, im seither vergangenen Jahrzehnt hatten sich seine Vermögenswerte verfünffacht.

Zu den Nöten des Unternehmens kommt seine Verwicklung in den Cum-Ex-Skandal hinzu. Im vergangenen Oktober wurden deshalb seine Büros in Deutschland von den Behörden durchsucht. Zusätzlich hat die Warburg Bank BlackRock angezeigt, weil fällige Steuern auf für die Bank getätigte Geschäfte nicht gezahlt wurden. Das bringt dem Fonds noch mehr negative Schlagzeilen - obwohl viele Beobachter bezweifeln, daß Warburg wirklich von den Praktiken nichts wußte, da die Cum-Ex-Machenschaften immer eine Absprache unter Partnerbanken waren.

Die spektakulären Razzien haben vielleicht auch dazu beigetragen, daß der Aufsichtsratsvorsitzende von BlackRock Deutschland, Friedrich MERZ, bei der Wahl zum CDU-Parteivorsitz Anfang Dezember scheiterte. Die Cum-Ex-Geschäfte fallen zwar in die Zeit vor seiner Tätigkeit an der Unternehmensspitze, aber auch hier fragen viele, ob er wirklich von dem ganzen Skandal nichts bemerkt hat.

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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