Filmprojekt entlang der EU-Aussengrenze

Corinna Rauer und Dschafar El Kassem drehen einen Film zu den Zusammenhängen unserer Flüchtlingspolitik. Für die Produktion brauchen sie noch Unterstützung

Filmemacher Dschafar El Kassem auf Seenotrettung

Sommer 2017: Die Ethnologin Corinna Rauer und der Filmemacher Dschafar El Kassem aus Freiburg im Breisgau reisen drei Monate die sogenannten Migrations-Hotspots der europäischen Aussengrenzen entlang: Marokko, Spanien, Griechenland, Serbien. Sie beobachten, reden mit den Menschen, den Geflüchteten, NGO-Mitarbeitern, Wissenschaftlern – und hören zu. Sie wollen verstehen, warum in Europa Menschen in Not sterben müssen. Dafür nehmen sie etwa an einer Seenotrettung an der libyschen Küste teil oder sind dabei, wenn die Hilfsorganisation Roter Halbmond in Tunesien angeschwemmte Leichen beerdigt.

Wenn jemand behauptet, Migration stoppen zu können ist das eine leere Versprechung. Es wird nicht passieren

Gleiche Krisen seit 20 Jahren

Aus dem Material soll nun ein Dokumentarfilm entstehen mit dem Titel: «Beyond Borders» – jenseits der Grenzen. Anders als andere Dokumentationen zum Thema soll er vor allem auch die historischen Zusammenhänge aufzeigen. «Seit über zwanzig Jahren kehren die gleichen Krisen an den Grenzen wieder», sagt die Ethnologin Corinna Rauer. Die 31-Jährige hatte während des Studiums bereits ein halbes Jahr an der Grenze zwischen den USA und Mexiko geforscht, seither lässt sie das Thema nicht mehr los.

Appell an die Verantwortlichen

«Es gibt Alternativen zur Abschottungspolitik», sagt Rauer, und meint damit nicht die utopische Forderung, Grenzen abzuschaffen. Sie spricht von zirkulärer Migration, die Ausländern eine vorübergehende Integration in den Arbeitsmarkt ermöglichen würde, von humanitären Visen für einen sicheren Fluchtweg oder von einem Degrowth-Lebensstil für uns Europäer, in dem wir unseren Wachstumshunger beschränken. Der Film soll vor allem an die Entscheidungsträger appellieren, diese vorhandenen Lösungsansätze endlich anzugehen. Denn wie ein Soziologe im Trailer zum Film treffend sagt: «Wenn jemand behauptet, Migration stoppen zu können ist das eine leere Versprechung. Es wird nicht passieren.»

Für die Produktion des Films sammelt das Paar derzeit finanzielle Unterstützung auf Startnext. Um das Projekt vorzustellen werden sie in der nächsten Zeit durch die Schweiz touren und an Veranstaltungen von ihrem Vorhaben erzählen und Filmausschnitte zeigen. Nächste Veranstaltung: 18.04.2018, 19.30 Uhr, Neues Kino Basel und 17.05.2018, 19:00 Uhr, Impact Hub Zürich.

Trailer & Unterstützung: https://www.startnext.com/beyond-borders-documentary

 

 

Über

Samanta Siegfried

Submitted by reto on Di, 10/10/2017 - 09:47

Samanta Siegfried hat 2010 ihre journalistische Laufbahn als Praktikantin beim Zeitpunkt begonnen. Später besuchte sie die Zeitenspiegel-Reportageschule und berichtet seither als freie Journalistin über Gesellschafts- und Umweltthemen, immer auf der Suche nach leisen Tönen und mutigen Taten. Seit Oktober 2017 ist sie als Webredaktorin zurück beim Zeitpunkt und betreut das Infoportal.

032 621 81 11
samanta.siegfried@zeitpunkt.ch