Edelpilze auf Kaffeesatz

Die Welt der Pilze hat mehr zu bieten als Champignons, auch unabhängig von der Jahreszeit. Ein Start-up aus Basel liefert ganzjährig frische Pilze – gewachsen auf Kaffeesatz

Armin Sirch (links) und David Jucker präsentieren die frisch gewachsenen Pilze auf dem Matthäus-Markt in Basel

Die Landwirtschaft in die Stadt holen, darin nimmt Basel seit längerem eine Pionierrolle ein. Bisher spielte sich das meiste in den Höhen ab: etwa die Fisch- und Gemüsefarm auf den Dächern des Dreispitz-Areals, oder die Imkerei in der obersten Etage des Kaufhauses Globus. Insgesamt sind mehr als ein Drittel aller Flachdächer in Basel bereits begrünt. Seit Neustem gibt es auch wundersames aus der Tiefe: In einem Keller im St. Johann Quartier gedeihen Speisepilze.

«Ihr wollt pilzle? Mit Drogen- und Schimmelpilzen oder was?» Auf der Suche nach einer geeigneten Räumlichkeit für ihre Zucht stiessen die drei Basler David Jucker, Matthias Nebel und Armin Sirch auf viel Unverständnis. «Die Schweiz ist mit der Pilzproduktion noch sehr unerfahren», sagt David Jucker, 28, der sich 2013 mit zwei Kollegen zusammentat, um eine gemeinsame Vision zu verwirklichen: ganzjährig und nachhaltig frische Speisepilze züchten. Ihre Methode, die in anderen europäischen Ländern bereits angewendet wird, hat in der Schweiz noch Pioniercharakter: anstatt auf Stroh- oder Holzsubstrat und in Plastiksäcken, wie bei der Pilzzucht üblich, wachsen ihre Organismen auf Kaffeesatz. Er bietet den idealen Nährboden für die edlen Seitlinge, auf die sich das Startup spezialisiert hat. «Das ist sehr simpel und könnte im kleinen Stil auch jeder bei sich Zuhause ausprobieren», sagt der studierte Biologie Jucker. Den benötigen Kaffeesatz, ausschliesslich von Bio-Bohnen, holen sie per Cargo-Bike bei grösseren Kaffeehäusern. Somit wird ein bisher ungenutztes Abfallprodukt zum wichtigsten Rohstoff für ein Nahrungsmittel.

Als die drei Jungunternehmer für ihr Projekt im Dezember 2016 den Innovationspreis der Basler Zünfte gewannen, nahm ihre Arbeit Fahrt auf: Anfang Jahr fanden sie endlich einen geeigneten Keller für ihr Vorhaben. Im Mai liessen sie ihre GmbH «Stadtpilze» im Handelsregister eingetragen und haben Ende September 2017 erfolgreich 45 000 Franken per Crowdfunding für den Ausbau ihrer Zuchtanlage gesammelt. Bereits jetzt verkaufen sie jeden Samstag am Wochenmarkt bis zu acht Kilo Seitlinge und liefern an verschiedene Restaurants. Die Gastronomie bleibt vorerst die Hauptzielgruppe des Unternehmens: «Damit sich künftig mehr als nur Steinpilzrisotto und Pilzrahmsosse auf dem Speiseplan findet», sagt David Jucker. Und ganzjährig frische Pilze zur Verfügung stehen. 

www.stadtpilze.ch