Gesundheit: Warum Crowdfounding keine Alternative ist

Für kranke US-Bürger, die ihre Arzt- und Krankenhausrechnungen nicht bezahlen können, sind Crowd-Funding-Plattformen oft die einzige Alternative. Das ist unfair und ungerecht, findet Brody Armstrong, und erklärt warum.

Regelmässig berichten Medien über GoFundMe, der größte Crowdfunding-Dienst der Welt. So wurden z.B. 676.152 Dollar für einen krebskranken Texaner gesammelt. 500 000 waren nur nötig. Ein zweiundneunzig Jahre altes Angriffsopfer erhält 327.345 Dollar statt 15.000. Ein  junges Mädchen, das gegen Lymphome kämpft und 1 Million Dollar für eine Knochenmarkstransplantation benötigt, erhält 315.326 Dollar Spenden.

Was aber nicht erwähnt wird ist: Auf  jede Crowdfunding-Erfolgsgeschichte kommt ein Misserfolg. 2017 wurde eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt, dass 90 Prozent aller medizinischen GoFundMe-Kampagnen das Ziel nie erreichen, und keine einzige Spende erhalten. 

So erfreulich es auch ist, dass in Einzelfällen geholfen werden konnte, so beunruhigend ist die große Zahl derer, die keine Hilfe erhalten.

40 Prozent aller amerikanischen Erwachsenen sind derzeit nicht versichert oder unterversichert, und können sich ihre Gesundheitsversorgung nicht leisten. Mit der Aufhebung des Affordable Care Act nächstes Jahr wird diese Zahl weiter steigen.

Amerikaner zahlen mehr für ihr Gesundheitswesen, als jedes andere Land der Welt. Nach Schätzungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, liegen die Gesundheitsausgaben in den USA bei mehr als 10.000 US-Dollar pro Person. In der OECD sind es nur etwas mehr als 4.000 US-Dollar pro Person.

Man könnte denken, dass diese hohen Kosten bessere Gesundheitsdienstleistungen ermöglichen. Das ist falsch. Die Lebenserwartung in den Vereinigten Staaten ist die zehnt-schlechteste unter den OECD-Ländern, und die Säuglingsterblichkeitsrate ist die zwölfthöchste.  Arme Amerikaner verzichten regelmäßig auf medizinische Versorgung, die sie brauchen, weil sie sie sich nicht leisten können. Menschen wenden sich an Freunde und Familie oder starten ein Crowdfunding, um diese Lücke zu füllen.

Sich auf die Wohltätigkeit zu verlassen, ist aber sowohl ineffektiv, als auch unmoralisch.  Crowdfunding verschärft die Ungleichheit, die Millionen von Amerikanern bereits daran hindert, ihren Bedarf an Gesundheitsleistungen zu decken.

Schaut man sich die erfolgreichsten, medizinischen Kampagnen von GoFundMe an, dann werden die Gemeinsamkeiten schnell erkennbar. Sie haben hochwertige Fotos und liefern gut geschriebene, ausführliche Beschreibungen der Situation, in der sich die Familien- oder Betroffenen befinden.

Eine gut durchdachte Crowdfunding-Kampagne braucht viel Zeit, Ressourcen und Bildung. Drei Dinge, die arme Leute nur selten haben. Die Ärmsten bleiben also auf der Strecke. Vor allem gut vernetzte Familien sind erfolgreicher als andere. GoFundMe ermutigt nämlich dazu, vor allem Freunde, Familie, Kollegen usw. anzusprechen, um die Spendenaktion zu starten. Was aber wird aus denen, die keine Familie haben oder wenige Freunde, oder ein nicht vorhandenes persönliches Netzwerk? Haben sie weniger Anspruch auf Versorgung? Natürlich nicht.

Barmherzigkeit so schön sie für diejenigen ist, die von ihr profitieren, ist einfach keine machbare Lösung für Amerikas wachsende Gesundheitskrise. Wir brauchen echte Lösungen, und wir brauchen sie schnell. Eine einheitliche, individuelle Krankenversicherung würde die finanzielle und emotionale Belastung all derer, die medizinische Versorgung brauchen, lindern. Es ist unlogisch, unmoralisch und verwerflich, dass das wohlhabendste Land der Welt, nicht allen seinen BürgerInnen den Zugang zu medizinischer Versorgung garantiert. 

Der Autor Brody Armstrong ist Bildungs-Assistent am Zentrum für Bildung der American Humanist Association. Er hat einen BA in Ethik und öffentlicher Politik, Politikwissenschaften und Philosophie von der University of Iowa und verfolgt einen MA in Daten, Wirtschaft und Entwicklungspolitik vom Massachusetts Institute of Technology.