Das Unerträgliche will getragen werden

Diese Geschichte handelt von einem vergleichsweise kleinen Sprung in ein Wasser, das sich dann als fast unerträglich kalt und tief erwies. Sie beginnt vor 22 Jahren mit dem Tod von Margrit Dieterles 21-jährigem Sohn. Einem inneren Ruf folgend begann die heute pensionierte Logopädin Asylbewerber zu begleiten – offenbar mit viel Geschick und Ausdauer. Vor einigen Jahren bat sie ein Pfarrer aus der Romandie, sie möge sich eines besonders schwer traumatisierten Mannes aus Zentralafrika annehmen. Sie nahm A. bei sich auf, pflegte ihn und hörte sich vor allem immer wieder seine schier unerträglichen Erlebnisse an. Der Mann war wiederholt aufs brutalste gefoltert worden. und musste u.a. mit ansehen, wie man seinen gefesselten Freunden Palmwein in die Nase träufelte, worauf Termiten in ihre Körper hineinkrochen und sie langsam qualvoll töteten. A. überlebte, konnte fliehen und wurde später in ein Spital gebracht. Dort fand ihn eine Frau, die ihm glaubte und ihn in die Schweiz brachte. Unter der Fürsorge von Margrit wurde er nicht nur wieder gesund, auch sein altes Ziel wurde wieder lebendig: Jungen Menschen in Afrika eine Chance zum Leben in ihrem Land zu geben, damit sie nicht nach Europa auswandern müssten!

So reisten die Beiden 2008 nach Benin. Margrit war berührt von der Perspektivelosigkeit der jungen Menschen dort. Sie kaufte ein Stück Land und schenkte es A. zur freien Verfügung. Nun entwickelte er seine Vision eines Ausbildungszentrums für handwerkliche Berufe, und dank der grosszügigen Unterstützung von Margrit und ihren Freunden konnte im Februar 2009 mit dem Bau begonnen werden. Heute sind im «Source de vie» bereits 28 Schülerinnen in Ausbildung: Schneiderinnen, Coiffeusen und Weberinnen. In Vorbereitung sind Klassen für Schreiner und Metallbearbeiter. Unterstützt. vom Verein «Source de vie Schweiz/Suisse» macht das Projekt grosse Fortschritte. Für den Vertrieb des hervorragenden Wassers, das auf dem Gelände gefunden wurde, entstand die Firma «Gracia». Das erforderliche Material, gebrauchte Werkzeuge, Wandtafeln, Schulmöbel, Computer sowie Webstühle, Nähmaschinen,  Kühlschränke und vieles mehr wurde in Brockenhäusern und bei Handwerkern gesammelt und nach Bénin verfrachtet. Das Unternehmen finanziert sich von Spenden und Darlehen aus der Schweiz. Aber auch in Afrika wird bereits fleissig gearbeitet.. Damit sind wir mit dieser Geschichte in der Gegenwart angekommen ... Fortsetzung folgt.

Kontakt: Source de vie, c/o Margrit Dieterle, Wässermattweg 4, 5036 Oberentfelden, Tel. 062 723 03 07, maguy.dieterle@gmx.ch, Spendenkonto: CH64 8069 8000 0117 0750 2 (Verein «Source de vie»)

Diese und weitere Geschichten zum Thema «Der Sprung ins kalte Wasser» lesen Sie im nächsten Zeitpunkt 114, der Ende Juni erscheint.

Wenn Sie diese Ausgabe nicht verpassen wollen, bestellen Sie sich ein unverbindliches Schnupperabo mit drei Ausgaben für Fr. 20.- (statt 30.- am Kiosk):
http://www.zeitpunkt.ch/abonnements/schnupperabo.html
23. Juni 2011
von: