Internet spornt zu Verzweiflungstaten an

Menschen, die sich im Internet zum Thema Selbstmord informieren wollen, werden dort eher zu einem solchen Akt ermutigt als durch Unterstützung davon abgehalten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Untersuchung, die gemeinsam von Forschern der britischen Universitäten Bristol, Oxford und Manchester durchgeführt worden ist. Wie das British Medical Journal berichtet, haben die Wissenschaftler mit Hilfe von vier Suchmaschinen das Internet nach Webseiten zum Thema Selbstmord untersucht. Insgesamt wurden dabei 240 verschiedene relevante Seiten gefunden. Rund ein Fünftel davon befürwortete ausdrücklich den Freitod. Knappe zehn Prozent enthielten sachliche oder scherzhafte Informationen zum Thema. Lediglich 13 Prozent der ausfindig gemachten Internetseiten widmeten sich der Selbstmord-Prävention und zwölf Prozent versuchten, Betroffene durch ihren Webauftritt von einer solchen Verzweiflungstat durch Argumente abzubringen.

«Diese Untersuchung macht deutlich, wie einfach es ist, im Internet an detaillierte technische Informationen über die verschiedenen Selbstmordmethoden heranzukommen», erklärt Lucy Biddle vom Department of Social Medicine der University of Bristol  gegenüber BBC News. Die Selbstregulierung der Internetprovider und der Einsatz von Filtersoftware durch Eltern seien derzeit die einzigen Möglichkeiten, wie User von dem Besuch derartiger Pro-Selbstmord-Seiten im Netz abgehalten werden könnten. «Wir sind weiterhin sehr besorgt über den möglichen Einfluss des Internets auf die Selbstmordraten», ergänzt Marjorie Wallace, Geschäftsführerin der karitativen britischen Hilfsorganisation Sane. Es müsse dringend etwas unternommen werden, um den unerhört leichten Zugang zu so brisanten Informationen im Netz zu unterbinden. «Einige dieser Seiten machen den Eindruck, als wären sie geradezu auf der Jagd nach selbstmordgefährdeten Menschen», kritisiert Wallace.

Quelle: pressetext.deutschland
11. April 2008
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