«Mit zwanzig regiert der Wille, mit dreissig der Verstand und mit vierzig das Urteilsvermögen», schrieb Benjamin Franklin. Über die Jahrzahlen kann man diskutieren. Mein eigenes Urteilsvermögen zum Beispiel ist manchmal immer noch zu jugendlich und richtet sich nach dem Willen und nicht der Erfahrung.
Aber Benjamin Franklin zeigt in einem einfachen Satz, dass alt und Jung weit mehr verbindet als ein wackeliger Generationenvertrag. Wir sind eigentlich erst dann ganz, wenn wir gleichzeitig jung und alt sind und den Willen, den Verstand und die Erfahrung gemeinsam regieren lassen.

Allein geht das nicht, das leuchtet sofort ein. Aber wir erreichen es in einer Gemeinschaft, in der alle Generationen ihren Platz haben und ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen können. Denn wer fremdbestimmt ist, kann weder seinen Willen, seinen Verstand noch sein Urteilsvermögen einsetzen.
Bei der Fremdbestimmung geht es uns wie dem Frosch im Kochtopf, der im langsam heisser werdenden Wasser ein übles Ende nimmt, ohne sich rechtzeitig gewahr zu werden. Die Fremdbestimmung beginnt in der Kita, wird in der Ausbildung verfeinert und erreicht auf dem Arbeitsmarkt ihren vorläufigen Höhepunkt – immer mit plausiblen Gründen. Als Jungrentner wären wir dann ein bisschen freier, wenn wir nicht das verpasste Leben nachholen müssten, bevor wir dann die finale Fremdbestimmung erreichen – die einzige, die wir bedingungslos akzeptieren müssen.

Damit sich die Generationen wieder gegenseitig bereichern können, brauchen wir Freiraum, aber nicht bloss Freiraum für Kinder, Jugendliche und Senioren, sondern Freiraum für alle zusammen: organische, lebenswerte Nachbarschaften mit (fast) allem, was es für ein rundes Leben braucht, vor allem Begegnung.

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Mit dem Zeitpunkt 156 «jung | alt» möchten wir Mut machen, sich diesen Freiraum zu schaffen.

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