US-Vorwürfe gegen Iran sind nicht glaubwürdig

Amerikanische Geheimdienste auf einem Tiefpunkt

Die Beweise, die das US-Militär für die Behauptung vorlegte, die iranischen Revolutionsgarden seien an den Angriffen auf zwei Öltanker im Golf von Oman am 13.6. beteiligt gewesen, sind – vorsichtig ausgedrückt – wenig überzeugend. Die Angriffe lösten eine gefährliche Eskalation zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran aus, was zu alarmierenden Schlagzeilen über einen bevorstehenden Krieg im Nahen Osten führte. Viele Beobachter äußern starke Zweifel.

Britische Komplizenschaft beim Iran-Angriff unter falscher Flagge. Der frühere britische Diplomat Craig Murray widerlegte am 17.6. auf seinem Blog die Vorstellung, der Iran habe die Angriffe organisiert, indem an den Schiffsrümpfen über der Wasserlinie Haftminen angebracht wurden. Die Iraner müßten sehr seltsame Methoden der Minenräumung haben, wenn dafür Personal ohne Schutzanzüge in unmittelbarer Nähe zu der Mine eng in ein kleines Boot gepfercht wird. Gewöhnlich würden Haftminen von Tauchern unterhalb der Wasserlinie am Schiffsrumpf angebracht, weil sie so unentdeckt bleiben und die Explosion viel mehr Schaden anrichtet.

„Anscheinend herrscht eine bemerkenswerte Diskrepanz zwischen der verbreiteten Abscheu der Bevölkerung vor einem weiteren falschen westlichen Kriegsvorwand im Nahen Osten und der nahezu universellen Komplizenschaft der britischen Politik-  und Medienkaste bei der Verbreitung dieser durchsichtigen Lüge“, schreibt Murray. „Es ist, als hätte man im Regierungssystem des Vereinigten Königreichs selbst nur den Anschein, Wahrheit und Tatsachen zu respektieren, einfach über Bord geworfen. Das sollte uns sehr beunruhigen.“

Deutsche Welle zitiert skeptische Experten. Die regierungsnahe Deutsche Welle veröffentlichte am 21.6. eine Einschätzung, aus der hervorgeht, daß die vorgelegten „Beweise“ tatsächlich nichts beweisen.
• Militärexperten betonen, daß das Anbringen und Entfernen von Haftminen an Schiffen riskant ist und viel Fachwissen erfordert. Die Sprengkörper werden magnetisch an Schiffen befestigt, normalerweise unterhalb der Wasserlinie. Gewöhnlich werden Haftminen von einem Schwimmer oder Kampftaucher manuell an der Unterseite des Schiffsrumpfs platziert.
• Die Personen an Bord des kleinen Bootes auf den Bildern der US-Marine können nicht mit Sicherheit identifiziert werden, auch wenn die Boote und Uniformen denen der Revolutionsgarden ähnlich sind. Bezeichnenderweise können Ort und Zeit des Filmmaterials nicht überprüft werden.
• Das Foto von Personen, die der US-Marine zufolge einen Magneten von der Seite des Schiffes Kokuka Courageous entfernen, kann nicht überprüft werden.
• Keines der von den USA zur Verfügung gestellten Bilder zeigt tatsächlich eine Haftmine oder iranische Soldaten, die eine solche Mine anbringen.
Die Einschätzung der DW erschien drei Tage, nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel – im Widerspruch zu ihrem Außenminister Heiko MAAS – erklärt hatte, es gebe klare Hinweise auf die Schuld des Iran an den Angriffen.

US-Geheimdienste auf einem Tiefpunkt. Oberst a.D. Larry Wilkerson, ehemals Assistent von US-Außenminister Colin Powel während der Vorbereitung des katastrophalen Irakkrieges, verwies am 20.6. auf die unzähligen Ähnlichkeiten zwischen den Techniken und Methoden, mit denen John Bolton und Mike Pompeo, die „Stiftung zur Verteidigung der Demokratien“ (FDD) u.a. heute die USA in einen Krieg mit dem Iran treiben wollen, und den Methoden von Dick Cheney, Paul Wolfowitz und derselben FDD vor dem Irakkrieg  2003. Dabei seien auch die Medien Komplizen, so wie damals: „Cheney nahm etwa Rohdaten, leitete sie an die New York Times weiter; die New York Times druckte sie dann auf der Titelseite... und Cheney zitierte sie dann als verifiziert.“
„Ich habe den Geheimdienst fast ein halbes Jahrhundert lang als Militärprofi und Diplomat eingesetzt“, sagte er, aber zu den Behauptungen über Irans Angriffe auf die Öltanker „würde ich, so wie das präsentiert wurde, nichts glauben, so wie es der japanische Premierminister oder Deutschland nicht glauben. Die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten in Bezug auf Geheimdienstinformationen ist derzeit wirklich gering.“
Ein Krieg im Iran wäre „schrecklich“. Der Iran ist viermal so groß wie der Irak, hat 80 Millionen gegenüber 26 Millionen Menschen, und das Terrain „ist einfach unwirtlich, zum Beispiel hat es Alexander den Großen fast umgebracht“. Wilkerson weiß, wovon er spricht: 1979 machte er die Kriegsplanungen für den Fall, daß die Russen nach ihrer Invasion in Afghanistan auch in den Iran einmarschieren würden und man sie aufhalten will.

_____________________________

Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

Der Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann,

c.hartmann@eirna.com