Biodiversität der Städte rettet Natur vor der Landwirtschaft
Während auf dem Land das Bienensterben immer katastrophalere Ausmaße annimmt, erfreuen sich derweil die Bienen in unseren Großstädten bester Gesundheit und bringen hohe Erträge. Den Menschen geht es ähnlich: In modernen Städten ist die Lebenserwartung deutlich höher als auf dem Lande. Anstatt Erholung in frischer Landluft zu suchen, wird man der Landbevölkerung bald Kuren in den Städten verordnen. Denn längst ist die Biodiversität in den europäischen Metropolen um ein Vielfaches höher als auf dem Lande.
Auch wenn die Städte von Lärm, Beton, Asphalt und Autoabgasen erfüllt sind, so ist doch der Verbrauch an Pestiziden, Herbiziden und Mineraldüngern um mehr als das Tausendfache geringer. Zwar zirkuliert in den Häuserschluchten wenig frische Luft und enorme Mengen an Feinstaub, aber dafür wird jeder freie Platz für einen Baum, ein Blumenbeet, eine Hecke, einen Balkonkasten genutzt. Zwar wird der Rasen in den Vorgärten meist zu kurz geschnitten, aber dafür wird er von Blumenrabatten exotischer Vielfalt gesäumt. Man muss nichts verherrlichen, auch in den Städten herrscht trotz Blumenkästen noch längst keine ökologisch heile Welt, aber die Entfremdung der Städter von einer naturnahen Lebensweise fördert deren romantische Nostalgie, die vielerorts für biologische Heißzonen sorgt.
Es scheint momentan, als würden diese städtischen Naturoasen zu einer Art Arche Noah heranwachsen, in der sich ein großer Teil der Biodiversität erhält, die in den ländlichen Gebieten durch die chemisch-industrielle Pflanzen- und Tierproduktion immer schneller ausgelöscht wird. In den Städten überlebt in einer ästhetisierten Idee von Natur, was auf dem Land durch die industrialisierte Idee von Landwirtschaft zerstört wird. Die Ästhetik der Städte wird zur Triebfeder der Bewahrung naturnaher Zonen.
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