Castoren aufgehalten
»Rekord eingestellt«, verkündete am Sonntag mittag um halb eins die Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg. Der am Mittwoch morgen in Frankreich gestartete Castor-Transport war da seit mehr als 92 Stunden – und somit schon länger als der Atommüllzug im Vorjahr – unterwegs. Ein Ende der Fahrt war auch gestern nachmittag noch nicht abzusehen.
»Schotter«-Aktionen an den Gleisen, von Demonstranten verbogene Schienen, mehrere Blockaden und eine Sturmwarnung – all das ließ keine Prognose zu, wann die elf Atommüllbehälter das Gorlebener Zwischenlager erreichen würden.
In der Nacht hatte die Polizei damit begonnen, eine Gleisblockade bei Harlingen zu beenden, an der sich zeitweise mehr als 4000 Castorgegner beteiligten. 200 Meter entfernt von den Schienen hatte die Einsatzleitung zahlreiche Polizeifahrzeuge zu einer Art Wagenburg auffahren lassen. Wer die Schienen nicht freiwillig verließ, wurde in dieses Freiluftgefängnis gebracht. Mehr als 1000 Menschen befanden sich zeitweise in der sogenannten » Gesa« (Gefangenen-Sammelstelle).
Anwälte erreichten, daß am Sonntag morgen zunächst minderjährige Castorgegner in Begleitung einer Bezugsperson den Kessel verlassen durften. Nach weiteren Verhandlungen gab die Polizei am Nachmittag bekannt, daß die »Gesa« ganz aufgelöst wird.
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