Die essbare Stadt
Sie zimmern aus Paletten kleine Hochbeete, ziehen Kräuter, die sie in ihrer mediterranen Heimat nicht kannten und säen dafür Okra nördlich der Alpen aus. Friedensreich Hundertwasser hätte seine Freude an ihnen, den «Urbanen Gärtnern».
Sie sind arbeitslos, akademisch oder migrantisch. Sie wollen weder anarchisch noch gutbürgerlich genannt werden. Dafür werden sie von Stiftungen, Forscherinnen und Veröffentlichungen hofiert. Die Bewegung knüpft an eine verloren gegangene Tradition der Allmenden und an aktuelle Landnahmen oder Hausgärten der Armen in südamerikanischen und afrikanischen Städten an. Noch gibt es Landwirte in der Stadt und in ihrer Nähe. Sie firmieren nicht mehr unter Agro-Industrie, sondern haben sich auf die Direktvermarktung regionaler und saisonaler Produkte und auf ihre Funktionen für Nah-Erholung, "Ökosystemdienstleistungen" wie Grundwasser-Neubldung und Stadtklima-Regulierung sowie Landschaftsgestaltung eingestellt. Die Schneisen und die "Löcher" in der Stadt bilden eine Weite, die, verstärkt durch die Industrie- und Verkehrsbrachen, zur Rekultivierung der postindustriellen Stadt beitragen kann. "Landschaft wird zum Gesetz der Stadtentwicklung", hieß es auf einem Kongress in der Berliner Akademie der Künste, und Rem Koolhaas schrieb: Freiräume strukturieren die Siedlungsentwicklung. Die Stadt ist vom Zwischenraum aus zu denken. Am radikalsten formulierte es Leberecht Migge, einer der Väter der Klein- und Gemeinschaftsgartenbewegung, am Ende des Ersten Weltkriegs: "Schafft Stadtland! Die Städte sollen ihr eigenes Land umarmen."
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http://www.heise.de/tp/artikel/35/35114/1.html
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