Die griechischen Bilanztricks mußten den EU-Behörden bekannt gewesen sein
In einem Artikel zu den Tricks, mit denen Griechenland seine wachsende Verschuldung versteckt hat, berichtet die New York Times auch über den Kenntnisstand der europäischen Behörden. In Dutzenden von Geschäften quer durch Europa besorgten die Banken den Regierungen Geld im Gegenzug für künftige Zahlungen, z.B. aus Flughafengebühren oder Lotterieeinnahmen. Solche Sondervereinbarungen wurden in den Bilanzen der Regierungen nicht als Darlehen verbucht. Genau das hat Griechenland mit seinen Flughäfen und Autobahnen getan. Aeolos, eine in 2001 geschaffene Rechtsstruktur, half Griechenland damals, sein Schuldenbilanz zu vermindern. Künftige Einkommen aus Landegebühren der Flughafen wurden in Zahlung gegeben. Ein ähnliches Geschäft aus 2000 unter dem Namen Ariadne benutzte künftige Regierungseinnahmen aus der nationalen Lotterie. Die Transaktionen wurden jedoch mehreren Zweifeln der Kritiker zum Trotz als Verkäufe klassifiziert, obwohl sie Darlehen waren. Solche Geschäfte waren in Regierungskreisen seit Jahren umstritten. Schon 2000 diskutierten die EU-Finanzminister, ob sie offengelegt werden sollten. Die Antwort war damals "nein". Doch 2002 wurde die Offenlegung verlangt und Geschäfte wie Aeolos und Aridane wurden nun nachträglich als Darlehen klassifiziert.
George Alogoskoufis, der inzwischen griechischer Finanminister geworden war, kritisierte die Transaktionen 2005 im griechischen Parlament. Er beklagte die hohen Zahlungen an Goldmann bis zum Jahr 2019. Dementsprechend meldete das holländische NRC Handelsblad schon im Dezember 2009: Yannis Stournas, der ein unabhängiges Wirtschaftsforschungsinstitut leitet, halte die ausländische Erregung für hypokritisch. Es wäre für Außenseiter einfach gewesen, die amtliche 6 % Defizit-Zahl schon seit langer Zeit für inkorrekt zu beurteilen. Lesen die denn keine griechischen Zeitungen? Hat die EU nicht jede Woche ein Team hier? Auch Yannis Stournas, der Statistiker, der Griechenland in den Verhandlungen zum EWU vertrat, meint, Griechenland sei nicht mehr erfinderisch bei der Bilanzierung als andere Länder in diesem Prozeß gewesen. Brüssel hätte das neue System damals akzeptiert, obwohl Brüssel gewarnt worden war. Brüssel hätte alle Statistiken, die von den Regierung eingesandt worden seinen, ungeprüft akzeptiert.
Dieser Text stammt aus dem lesenswerten Infoportal von Joachim Jahnke:
Joachim Jahnke: Die zweite Grosse Depression - wo die Krise herkomm – wo sie hinführt – was tun? Shaker-media, 2009. 180 S. 94 Abb. € 14.95
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