Die Kunst der Provokation
Ist Occupy gescheitert, weil die Proteste nicht radikal genug waren?
Da der Irrsinn der Finanzmärkte und einer Politik, die sich ihnen anpasst, einfach immer weiterläuft und auch die Occupy-Bewegung nicht geholfen hat, ist der Ruf nach einer irgendwie stärkeren Form von Widerstand nur zu verständlich. Und was wäre stärker als „die Gewalt“? Es klingt plausibel: Occupy war zu nett – Revolutionen pflegen gewaltsam zu sein, und um endlich etwas zu ändern, wird man um eine Art Revolution nicht herumkommen.
Aber „die Gewalt“, was ist das denn überhaupt? Welche mögliche Aktion hier und jetzt gemeint sein könnte, bleibt schleierhaft. Steinwürfe auf Polizisten oder die Zerstörung von Fensterscheiben führen auch nicht weiter als Occupy. Sonst müsste sich längst viel verändert haben, denn solche Taten gibt es Jahr für Jahr. Das wäre anders, wird man vielleicht einwenden, wenn eine große Bewegung hinter ihnen stünde. Aber dann müsste gesagt werden, wie die große Bewegung erschaffen werden soll. Es gibt keine, Gewalt könnte nur von kleinen Grüppchen verübt werden. Was soll es nützen? Oder soll wieder eine RAF gegründet werden? Selbst dieser Irrweg könnte nur beschritten werden, wenn eine Massenbasis schon vorher da wäre. Entstand doch die RAF aus der 68er-Bewegung und nicht umgekehrt.
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http://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/die-kunst-der-provokation
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