Ehemaliger Chef des Gelddruckprogramms: «Tut mir leid, Amerika»

Der frühere Federal-Reserve-Beamte, der für die Umsetzung der ersten Phase der «Quantitativen Lockerung» (QE1) zuständig war, machte am 11.11. im Wall Street Journal ein aufsehenerregendes Eingeständnis. Andrew Huszar schreibt in seinem Gastkommentar: «Ich kann nur sagen: Amerika, es tut mir leid.» Die Zentralbank tue weiterhin so, als sei das QE-Programm ein Mittel, um der «Main Street», d.h. dem Normalverbraucher, zu helfen.
«Aber ich bin zu der Erkenntnis gelangt, was dieses Programm wirklich ist: die grösste Rettung der Wall Street aller Zeiten durch die Hintertür.» Die Leute der Federal Reserve hätten ihm eingeredet, das gigantische Programm zum Aufkauf von Anleihen bei den Banken solle nach dem Finanzkrach 2007/08 dem Durchschnittsamerikaner zu niedrigeren Kreditzinsen verhelfen, aber das Gegenteil sei geschehen.

«Entgegen der Rhetorik der Fed half mein Programm nicht, dem Durchschnittsamerikaner Kredit leichter zugänglich zu machen.» Es wurden immer weniger Kredite vergeben und diese waren auch nicht wesentlich billiger. «QE hat vielleicht die Grosshandelskosten für Banken bei der Kreditaufnahme nach unten getrieben, aber das meiste zusätzliche Geld hat die Wall Street eingesackt.» 2009 war für die Wall Street das profitabelste Jahr aller Zeiten.
Als die Fed im November 2010 die zweite Runde der Anleihenkäufe, QE2, ankündigte, habe er erkannt, «dass die Fed jede noch verbliebene Fähigkeit zum unabhängigen Denken verloren hatte. Demoralisiert kehrte ich in die Privatwirtschaft zurück.» Und wie unabhängig ist in Europa die Europäische Zentralbank (EZB) von den Grossbanken? Nur zwei Tage später wurde ebenfalls im Wall Street Journal Peter PRAET vom EZB-Direktorium zitiert, die Bank werde möglicherweise den Banken direkt Papiere abkaufen - also eine europäische Variante von QE. Die EZB-Charta verbiete ihr zwar, Regierungen zu finanzieren, merkt das WSJ an, aber Praet sagte, «die Vorschriften ,schliessen nicht aus, dass man direkt in die Märkte interveniert’». Später wiederholte Praet in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung, die EZB werde keine Regierungen, aber falls nötig Banken durch Geldspritzen finanzieren.

Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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21. November 2013
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