Ein Universum lernt sehen
Ein Dialog zwischen Tom Steininger und dem Filmemacher Rüdiger Sünner über Quantenphysik, Überschussphänomene, Höhlenmalerei und das Wunder der Emergenz.
TOM STEININGER: Dein Film Das kreative Universum hat uns hier bei EnlightenNext sehr berührt. Du untersuchst ja im Film nur ein Thema: Unser Kosmos ist nicht nur ein materielles, äußerliches Phänomen, so wie ihn die Naturwissenschaft beschreiben kann, sondern er hat auch eine innere Dimension. Immer wieder kommst du im Film auf diese Innerlichkeit und die Kreativität des Kosmos zu sprechen, die sich zunächst in der Natur zeigt, aber dann im Erwachen der menschlichen Kultur und des menschlichen Bewusstseins eine neue Dimension bekommt. Und die Menschen, mit denen du im Film sprichst, sind ja anerkannte Wissenschaftler, wie der Evolutionsbiologe Simon Conway Morris oder der englische Biologe Rupert Sheldrake, aber auch Quantenphysiker wie Hans Peter Dürr und Thomas Görnitz. Wieso beginnst du deinen Film mit Quantenphysik?
RÜDIGER SÜNNER: Die Quantenphysik bietet ja ziemlich revolutionäre Erkenntnisse darüber, was Materie eigentlich ist, bzw. dass es sie in unserer herkömmlichen Vorstellung von Materie gar nicht gibt. Viele Quantenphysiker sind der Ansicht, dass wir, wenn wir immer tiefer ins Innere der Materie schauen, keine kleinen Klümpchen von Materie finden, sondern ein Netz von Beziehungen und Informationen. Der bekannten Wiener Quantenphysiker Anton Zeilinger sagt zum Beispiel, das Universum sei in letzter Instanz nicht Materie, sondern Information.
Ein Anthroposoph würde vielleicht sagen, dass hinter der Materie der Geist wirksam ist. Aber Quantenphysiker wie Prof. Görnitz formulieren es vorsichtiger: Wenn wir am Grunde der Materie Beziehungsstrukturen erkennen, in denen Informationen ausgetauscht werden, dann erinnert uns das vielleicht mehr an das, was in unseren Denkprozessen geschieht. Wir können es vielleicht als geistähnliche Struktur bezeichnen.
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