Euro was nun? Konstruktionsfehler rächen sich
Noch bevor deutsche Entlastungszahlungen an Griechenland beschlossen sind, haben deutsche Sparer und Verbraucher begonnen, die Zeche für die Konstruktionsfehler des Euro über abgesenkte Sparerzinsen und verteuerte Importe zu bezahlen. Diese Entwicklung kann sich durchaus noch verschärfen, wenn Griechenland wegen des Protestes der Bevölkerung seinen Haushalt nicht schnell genug in Ordnung bringen kann.
Eine Währung ohne eine einheitliche Wirtschaftspolitik ist ohnehin eine Schönwetterveranstaltung, die bei jedem Krisentest in die Brüche gehen kann oder hohe und am Ende dauerhafte Ausgleichszahlungen an schwache Partner auslöst. Dieser gravierende Konstruktionsfehler wird noch schlimmer, wenn von Anfang an Länder in die Währung aufgenommen werden, die stark verschuldet sind und eine ehrliche Bilanzierung vermeiden. Letzteres ist mit Belgien, Italien und später Griechenland geschehen; insgesamt lag die Verschuldung 1997 bei sieben der 12 Eurozonenländer über der Maastrichtgrenze von 60 % des BIP, teiweise über 100 %, wobei einige Länder noch zu Tricks für eine künstliche Absenkung gegriffen hatten, die leider geduldet wurden.
Der Fehler wird dann noch gefährlicher, wenn die Zentralbank die Inflationsraten nicht über ihre Zinspolitik zusammenhalten kann. Auch das ist hier geschehen: in sieben der 11 anderen Eurozonenländer war die Verbraucherpreisentwicklung über den Zeitraum seit 1996 in zweistelligen Prozentpunkten höher als in Deutschland, in Griechenland sogar um fast 34 Prozentpunkte (Abb. 15035). Da sie ihre Währungen gegenüber Deutschland nicht mehr abwerten konnten und Deutschland seit Euroeinführung die Löhne real eingefroren hielt, haben alle anderen, aber besonders acht der Eurozonenländer gegenüber Deutschland an Wettbewerbsfähigkeit verloren, Griechenland, Spanien und Irland sogar im zweistelligen Bereich, wie die reale Wechselkursentwicklung zeigt (Abb. 16047).
Angesichts der hohen Verschuldung und der auch sonst besonders prekären Wirtschaftslage im Mittelmeerraum kann die EZB die Zinsen nicht anheben, während andere Notenbanken dies nun tun. Nach Australien und Südkorea hat gestern die FED in einer ersten Anhebung seit fast drei Jahren den amerikanischen Diskontsatz um 0,25 % angehoben (Abb. 03774), um ein erstes, wenn auch noch sehr vorsichtiges Signal Richtung Ende der Krise in USA und Begrenzung von Inflationsgefahren zu setzen. Schon vor einem Monat hat der Euro begonnen, Richtung Mittelmeer zu sinken und kommt nun noch zusätzlich unter den Druck der Fed-Anhebung. Seit Beginn der offenen Griechenlandkrise Mitte Januar hat er bereits mehr als 6 % gegenüber dem Dollar verloren (Abb. 15590).
Die Folgen tragen in Deutschland schon jetzt die Sparer, die mit Rücksicht auf die Problemländer weiter auf ungewöhnlich niedrigem Zinsniveau gehalten werden, und die Verbraucher, die mehr für Importe von ausserhalb der Eurozone zahlen müssen, vor allem für Öl, Benzin, andere Rohstoffe und importierte Nahrungsmittel. Den Vorteil haben die Exportunternehmen, soweit ihre Abnehmer trotz der Krise zahlungsfähig geblieben sind.
Dieser Text stammt aus dem lesenswerten Infoportal von Joachim Jahnke:
Joachim Jahnke: Die zweite Grosse Depression - wo die Krise herkomm – wo sie hinführt – was tun? Shaker-media, 2009. 180 S. 94 Abb. € 14.95
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