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Fragwürdige Freisetzung transgener Insekten


Von: Melanie Küng


Ägyptische Tigermücke aus dem Labor (Bild: Science Photo Library / Agentur Focus)

Ägyptische Tigermücke aus dem Labor (Bild: Science Photo Library / Agentur Focus)

Zwei positive von insgesamt 170 Studien zur Umweltverträglichkeit transgener Insekten genügten den USA 2008 für einen umfassenden Persilschein. Das Gutachten gilt seither weltweit als Referenz für weitere Freisetzungen. Die Öffentlichkeit wurde über die Versuche unzureichend oder gar nicht informiert. Diese Missstände betreffen nicht nur die USA, sondern alle Länder, in denen bereits Feldversuche durchgeführt wurden. So lauteten die ernüchternden Ergebnisse einer Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie in Plön über die Freisetzungsverfahren genetisch veränderter Insekten in den USA, Malaysia und auf den Kaiman-Inseln.

 

Freisetzungsexperimente mit genmodifizierten Insekten zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten wie Malaria oder Dengue-Fieber sowie Pflanzenschädlingen haben in den letzten zwei Jahren zugenommen. So werden zum Beispiel Malaria-resistente Moskitos in die Umwelt entlassen, die den Erreger nicht mehr übertragen können. Sie sollen wildlebende nicht-resistente Populationen ausrotten und so die Infektionsgefahr für den Menschen verringern. Es drängt sich die Frage auf, ob transgene Moskitos auch stechen können. In Informationsbroschüren wird bestenfalls darauf verwiesen, dass nur männliche Moskitos freigelassen werden, die nicht stechen können. Die Männchen sind allerdings nur teilweise unfruchtbar, was zu einer Fortpflanzung in freier Wildbahn führen kann. Die Max-Planck Wissenschaftler halten es deshalb für möglich, dass Menschen von transgenen weiblichen Mücken gestochen wurden.

 

Die Forscher richten sich nicht gegen den potenziell nützlichen Einsatz von transgenen Insekten. Jegliche Akzeptanz und Weiterentwicklung der Technologie bedingt aber die Veröffentlichung aussagekräftiger wissenschaftlicher Daten im Vorfeld der Freisetzung.  Die Bevölkerung hat ein Recht darauf, korrekt informiert und in die Verfahren mit einbezogen zu werden.

 

Max-Planck Pressemitteilung: http://www.mpg.de/5007052/genetisch_veraenderte_insekten

Originalstudie (engl.): http://www.plosntds.org/article/info:doi/10.1371/journal.pntd.0001502

 

 

Montag, 27. Februar 2012

 


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