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Google und Co machen dumm

Kompliziertere Technologie soll geistigen Verfall der User verhindern


Von: pressetext.deutschland


Die rasante technologische Entwicklung und der Siegeszug des Internets haben das Leben der Menschen grundlegend verändert. Während einige in diesem Zusammenhang von einem «enormen Fortschritt» sprechen, sind andere wesentlich pessimistischer. Nach Ansicht des amerikanischen Autors und Webexperten Nicolas Carr entziehen moderne Technologien ihren Nutzern einen Teil ihrer intellektuellen Leistungsfähigkeit. Um einen «geistigen Verfall» zu verhindern, sollten Anbieter bzw. Entwickler deshalb ihre Dienste nicht einfacher, sondern komplizierter gestalten.

 

«Wir werden mit ziemlicher Sicherheit eine Verminderung – oder sogar eine Ausmerzung – spezieller Qualitäten des menschlichen Gehirns erleben», sagt Carr in einem Interview mit dem BBC World Service. Als Beispiele verweist der Autor des Buches «The Shallows: What the Internet Is Doing to Our Brains» auf Satelliten-Navigatonssysteme oder Internet-Suchmaschinen à la Google. Beide würden Menschen in Sekundenschnelle mit Informationen versorgen, die sie ansonsten in mühevoller Gehirnarbeit selbst finden müssten. «Hier werden intellektuelle Kapazitäten abgebaut», so Carr.

 

Je schneller, desto besser

Der Forderung, die Websuche für die User komplizierter zu gestalten, bringt der Internetkonzern Google erwartungsgemäss wenig Verständnis entgegen. «Der Trend geht eindeutig genau in die Gegenrichtung», erklärt Unternehmenssprecher Stefan Keuchel auf Nachfrage von pressetext. Usability und Geschwindigkeit seien heute entscheidende Kriterien für die Nutzer. «Je schneller und einfacher sie ans Ziel kommen, desto besser», betont Keuchel.

Neue Entwicklungen und Features wie das kürzlich gestartete Google Instant, das User schon während der Eingabe von Suchbegriffen mit automatischen Ergebnissen beliefert, seien als nützliche Hilfestellungen gedacht. «Wir haben festgestellt, dass diese neue Funktion den Usern im Schnitt zwischen zwei und fünf Sekunden pro Suche spart. Das bedeutet nicht, dass dem Nutzer das Denken völlig abgenommen wird. Er hat dadurch einfach mehr Zeit, sich den nachfolgenden Aufgaben zu widmen», erläutert Keuchel.

 

Gehirnaktivität verändert sich

 

Zur Untermauerung seiner These verweist Carr unter anderem auf eine nicht näher benannte Studie. Diese habe bewiesen, dass Internet-Suchmaschinen schon bei einer geringen Nutzungsdauer von einer Stunde pro Tag Veränderungen im Aktivitätsmuster des menschlichen Gehirns hervorrufen können. «Es scheint, als wären gerade jene Bereiche betroffen, die die Konzentrationsfähigkeit der User erschweren», sagt Carr.

Innerhalb seiner grundsätzlich kritischen Äusserungen gesteht der US-Autor aber auch mögliche positive Effekte der modernen Technologien ein: «Die Studie zeigt, dass bei Websuchen die für die Entscheidungsfindung zuständigen Gehirnregionen stärker aktiviert waren. Auf diese Weise könnte etwa dem geistigen Abbau während des Alterungsprozesses entgegengewirkt werden.»

 

Sonntag, 19. September 2010

 


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