Googles gnadenloses Gedächtnis
Im gigantischen Speicher des Internets geht nichts unter. Kommt es zum Kräftemessen zwischen menschlicher und maschineller Intelligenz?
Ireneo Funes, der traurige Held in Jorge Luis Borges’ Kurzgeschichte «Das unerbittliche Gedächtnis», besitzt nach einem Reitunfall eine Gabe, die eher wie ein Fluch auf ihm lastet. Er leidet unter einer Art von «Total Recall»: Funes lernt mühelos neue und alte Sprachen, prägt sich jede autobiografische Einzelheit ein, liest Plinius im Original und kann komplexe visuelle Szenen nahezu fotografisch erfassen. «Ich vermute, dass er zum Denken nicht sehr begabt war», urteilt Borges über sein Geschöpf. «Denken heisst, Unterschiede vergessen, heisst verallgemeinern, abstrahieren. In der vollgepfropften Welt von Funes gab es nichts als Einzelheiten, fast unmittelbarer Art.»
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