Innere Freiheit verleiht natürliche Authorität
Leichtigkeit im Leben und eine natürliche Autorität besitzen am ehesten die Menschen, die innerlich frei sind. Zu diesem Schluss kommt der Psychiater und Psychotherapeut Raphael Bonelli von der Wiener Sigmund Freud-Privatuniversität im Gespräch mit pressetext.
«Die meisten suchen therapeutische Hilfe, um verlorene Freiheit zurückzugewinnen. Vordergründig wollen sie dabei unabhängig werden von Ängsten, Süchten oder von der Meinung anderer», erklärt Bonelli. Tiefe innere Freiheit bedeute aber auch das Freisein von Ichsucht, Machtstreben und Habgier, von Kontrollzwang, Anspruch auf Fehlerlosigkeit, von Launen, Verbitterung und Fremdbeschuldigung.
«Nur freie Menschen können sich bewusst für das Gute entscheiden, lieben, sich hingeben und an Werten orientieren», sagt Bonelli. Innere Freiheit verleihe deshalb Unbeschwertheit und natürliche Autorität.
Freiheit trotz Gefängnis
Unfreien Menschen fällt es schwer, sich selbst ihr Gefangensein einzugestehen. «Alkoholiker lügen sich beispielsweise häufig vor, sie könnten jederzeit mit dem Trinken aufhören. Jeder Außenstehende erkennt allerdings rasch das Gegenteil», so der Wiener Psychotherapeut. Kommt die Lebenslüge ans Tageslicht, schmerze sie übermäßig und mache aggressiv, was bei Freud 'narzisstische Kränkung' heißt.
Sogar Häftlinge können innerlich frei sein, betont Bonelli. «Knackpunkt ist die Erkenntnis, was man verändern kann und was nicht. Denn Freiheit bedeutet nach Pestalozzi nicht nur das Freisein von etwas, sondern Freiheit zu etwas. Freiheit verlangt Richtung und Hingabe, denn wenn sie sich nur selbst genügt, bleibt sie wirkungslos.» Hier seien allerdings die Grenzen der Psychotherapie erreicht. Denn so sehr sie dem Klienten auch beim Erkunden des Handlungsspielraums helfen könne, sie beantworte die Frage nicht, wofür er seine Freiheit einsetzen soll.
Angst macht manipulierbar
Mit innerer Freiheit handelt man sich allerdings manchmal auch Probleme ein. «Nur ängstliche und unfreie Menschen sind manipulierbar, weshalb Diktatoren ihre Herrschaft stets auf Angst errichten. Ist jemand frei von Ängsten und beugt sich nicht dem öffentlichen Druck, wirkt er auf unkritische Mitläufer unheimlich und kann sogar Ängste und Aversionen auslösen.» In Summe sei das freie Leben dennoch sinnvoller und glücklicher.
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