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P.M.: Neustart Schweiz – so geht es weiter. Edition Zeitpunkt, 2010.
2. erw. Auflage, Fr. 18.70/€ 14.–.



Jatropha-Boom: Monokultur, Vertreibung, Verarmung

Jatropha-Anbau führt zu Raubbau und macht Kleinbauern zu schlecht bezahlten, entwurzelten Plantagenarbeitern


 


In Afrika hat ein neuer Goldrausch eingesetzt. Aber nicht Edelmetall hat die Begehrlichkeiten geweckt, sondern die Jatropha-Pflanze. Aus ihren ölhaltigen Nüssen wird Agrodiesel hergestellt, der, so lautet das Versprechen, die afrikanischen Länder von den hohen Kosten für Erdölimporte entlasten soll. Investoren wie PROKON (Deutschland), Sun Biofuels und D1 Oils (Großbritannien), Diligent Energy Systems und BioShape (Niederlande), Bio Fuel Norway (Norwegen) und Biwako Bio-Laboratory (Japan) wollen viele Millionen Euro aufwenden, damit die häufig flächengroßen Staaten Afrikas teils fruchtbarstes Land für ausgedehnte Plantagen mit Jatropha curca und anderen sogenannten Energiepflanzen freigeben. Es hat den Anschein, als handle es sich dabei um ein Geschäft zum beiderseitigen Nutzen: Die Regierungen erhoffen sich von den Unternehmen, dass sie die wirtschaftliche Entwicklung fördern, indem sie unter anderem Straßen und Raffinerien bauen sowie zahlreiche Arbeitsplätze schaffen; die Unternehmen hingegen erwarten reichlich Profite, da Agrosprit vor dem Hintergrund schwindender Erdölreserven immer wertvoller wird.

 

 

Die Schattenseiten des Jatropha-Anbaus werden in der Berichterstattung über den "grünen Goldrausch" meist nicht oder allenfalls in Nebensätzen erwähnt. Dabei wirft der Jatropha-Boom schon in seinen Anfängen einen breiten Schatten. Wie bei jeder anderen Pflanze, die in Monokultur angebaut wird, besteht die Gefahr, dass die Erzeuger am unteren Ende der Produktionskette weitgehend leer ausgehen, während die Händler und mehr noch die Investoren den meisten Profit einfahren. Zudem bildet sich derzeit eine globale Konkurrenzsituation zwischen den Jatropha-Erzeugern heraus, was ähnlich wie bei anderen Monokulturen dazu führen dürfte, dass die Rohstoffpreise gedrückt werden.

 

Umgekehrt wird der Jatropha-Samen für die Bauern immer teurer. So musste ein Farmer in Kenia, dessen Regierung im Mai 2008 eine auf fünf Jahre angelegte Biotreibstoff-Strategie verabschiedet hat, im Jahr 2006 für ein Kilogramm Jatropha-Samen 1000 kenianische Schillinge (10,25 Euro) bezahlen; heute muss er für nur noch ein halbes Kilogramm die dreifache Menge hinlegen [1]. Das ist eine Preissteigerung von 600 Prozent innerhalb von zwei Jahren.

 

Weiterlesen:

http://www.schattenblick.de/infopool/politik/redakt/afka1729.html

 

 

 

Dienstag, 26. August 2008

 


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