Kampf dem grünen Wischiwaschi

«Wir wollen keinen Wischiwaschi-Umweltschutz», sagt Thomas Vellacott, der neue CEO des WWF Schweiz, mit 260’00 Mitgliedern die grösste Umweltorganisation des Landes. Ob der neue Chef, früher Berater bei McKinsey und zuletzt für die Beziehungen zwischen WWF und Wirtschaft zuständig, der richtige Mann ist, das Steuer herumzureissen, wird sich weisen. Mit «Wischiwaschi» wird er auf jeden Fall zu tun haben, genauer gesagt mit «Greenwashing». Das wirft nämlich der mehrfach preisgekrönte deutsche Filmer und Autor Wilfried Huismann in seinem viel beachteten Film «Der Pakt mit dem Panda» und seit kurzem im «Schwarzbuch WWF», der weltweit grössten Umweltorganisation vor. Um die Zusammenarbeit mit den Multis zu fördern, hat der WWF runde Tische ins Leben gerufen, in denen Industrie und WWF privat Nachhaltigkeitsstandards definieren und die entsprechenden Produkte mit einem Label versehen.

Das Ausmass dieses Greenwashing ist enorm: So rodet der weltgrösste Palmölkonzern Wilma auf Borneo 300’000 Hektar Urwald, zwei Prozent lässt er als Schutzgebiet stehen (aus dem die Ureinwohner wie aus den anderen Gebieten vertrieben werden) und kann nun sein Palmöl mit einem Nachhaltigkeits-Zertifikat vertreiben. Auch Gentech-Soya wird dank eines Labels des Roundtables for Responsible Soya» als nachhaltig verkauft. Und Holz mit dem FSC-Label, eine weitere Initiative des WWF, kann durchaus aus Kahlschlag stammen.
Der WWF kann sich nicht mit dem Hinweis aus der Verantwortung ziehen, dass er diese Roundtables nicht mehr führt und die Projekte von externen Firmen kontrolliert werden. Nur dank dem WWF haben sie noch ein bisschen Glaubwürdigkeit, und dafür wird er auch fürstlich honoriert, wenn auch nur auf Umwegen. Unter anderem spendete die HSBC-Bank, das führende Geldhaus zur Finanzierung von Palmöl-Projekten, für ein gemeinsames Projekt mit dem WWF 100 Mio. Dollar, das allerdings ausserhalb der Bilanz geführt wird.
Der WWF ist sich der Problematik seiner zweispältigen Politik durchaus bewusst. Aber anstatt sich von Monsanto und Gentech-Soya zu distanzieren, verlegt er lieber den Sitz des Roundtable for Responsible Soya von der Hohlstrasse 110, dem Sitz des WWF Schweiz, an einen weniger verräterischen Ort.

Wenn der neue WWF-Chef tatsächlich keinen Wischiwaschi-Umweltschutz will, dann muss sich der WWF Schweiz von diesen Aktivitäten, die von der weltweiten WWF-Zentrale aus eingefädelt werden, distanzieren. Davon ist allerdings wenig zu spüren. Im Gegenteil: Der WWF führt einen regelrechten Krieg gegen den Film und das Buch, mit nunmehr 15 einstweiligen Verfügungen. Federführend ist der Berliner Medien- und Promianwalt Christian Schertz, besonders erfolgreich in der Sparte, missliebige politische Bücher aus dem Verkehr zu ziehen. Ob es bei den gerichtlichen Attacken um wahrheitsgemässe Darstellung oder einfach um Einschüchterung geht, ist unklar.
Am 15. Juni verhandelt das Kölner Landgericht eine einstweilige Verfügung, die die WWF-Mitarbeiterin Dörte Bieler damit begründet, sie sei von Huismann im Anschluss an eine Konferenz entgegen der Abmachung zu Themen befragt worden, die mit ihrem Referat nichts zu tun gehabt hätten. Huisman, der das Referat aufgezeichnet hat, sieht der Verhandlung gelassen entgegen. Aber der Buchhandel ist bereits eingeknickt. Auf die Drohung der Kanzlei Schertz Bergmann, im Falle einer Verurteilung von Huisman auf Schadenersatz zu klagen, haben Amazon und die deutschen Buchhandelsgrossisten «Das Schwarzbuch WWF» kurzerhand aus dem Angebot gestrichen. Für Rainer Dresen, den Juristen der Verlagsgruppe Random House ist «das massive Auftreten [des WWF] bisher singulär – und der Verlag hat schon Schwarzbücher über Scientology oder die Waldorfschulen veröffentlicht.

Der Vorgang zeigt, wie weit die Pressefreiheit schon ausgehöhlt ist – vom Markt, nicht von den Gerichten. Beim Verlag, kleineren Internet-Versendern und in der Schweiz ist das Buch nach wie vor erhältlich. Das Buch ist spannend wie ein Krimi, was es ja auch ist.  Es ist aber auch erschütternd, wie unkritisch die Öffentlichkeit mit dem von Grosswildjägern gegründeten Club umgeht. 260’000 «Mitglieder» zählt der WWF Schweiz, die offenbar nicht einmal merken, dass sie nichts zu sagen haben. Denn der WWF ist eine Stiftung und kein Verein, in dem die Mitglieder die Geschäftsleitung zur Rechenschaft ziehen können. Da gibt es eigentlich nur eine Antwort: Den WWF zu demokratischen Regeln zwingen und die Spendengelder so lange an kleine Umweltorganisationen leiten, die nicht mit umweltzerstörerischen Multis zwielichtige Geschäfte treiben.

 
Wilfried Huismann: Schwarzbuch WWF – dunkle Geschäfte im Zeichen des Panda. Güterloher Verlagshaus, 2012. 256 S. Fr. 28.50/Euro 19.99



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Pressemitteilung des Gütersloher Verlagshauses an die Branchenpresse

Darf der Buchhandel sich vom WWF vorschreiben lassen, ein Buch nicht zu vertreiben?

Ein Machtkampf um Wahrheit, Spenden und Mitgliederzahlen

Am 23. April 2012 ist das «Schwarzbuch WWF» von Wilfried Huismann im Gütersloher Verlagshaus in der Verlagsgruppe Random House erschienen. Allen Widerständen der Führungsspitze des WWF zum Trotz ist der dreifache Grimme-Preisträger Huismann ins Herz des WWF vorgedrungen und hat die Strukturen und Projekte der Umweltschutzorganisation genau durchleuchtet.

Das Ergebnis seiner Reise durch das «grüne Empire» des WWF ist erschütternd: Wilfried Huismann legt im Schwarzbuch WWF eine Welt aus Doppelmoral offen und ist dabei auf ein Netzwerk aus Industriebossen, lmagnaten, Bankiers und Großwildjägern gestoßen.

Monsanto, Coca-Cola, Shell – Die Liste der Kooperationspartner des WWF ist lang und liest sich wie ein Ranking der weltweit führenden Wirtschaftskonzerne. Der investigative Journalist, dessen Film «Der Pakt mit dem Panda» im Sommer 2011 bereits hohe Wellen schlug, deckt auf, dass die Vorzeige-Organisation kein blütenreines Unternehmen ist, sondern mit den weltweit größten Umweltsündern kooperiert und mitverantwortlich ist für die Umsiedlung von Ureinwohnern.

Diese Wahrheiten dürften dem WWF nicht gefallen, vermutlich weil er – ähnlich wie nach Ausstrahlung des Films 2011 – befürchten muss, dass Mitgliederzahlen und Spendenaufkommen zurückgehen und damit die Einnahmen des WWF sinken. Daher versucht der WWF nun mit allen Mitteln und unter Einschaltung Deutschlands wohl bekanntester Prominentenkanzlei, das Buch und dessen Verbreitung zu verhindern.

Nach Einschätzung von Rainer Dresen, Verlagsjustitiar der Verlagsgruppe Random House und damit auch des Gütersloher Verlagshauses, ist diese massive Auftreten bisher singulär: «Ich arbeite jetzt seit zwölf Jahren als Verlagsjustitiar und habe es dabei immer wieder mit Institutionen zu tun, die nicht glücklich sind, wenn sich unsere Bücher kritisch mit ihnen befassen.

Was ich aber in Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung «Schwarzbuch WWF» von Wilfried Huismann vom WWF Deutschland erlebt habe, war auch für mich, trotz etwa vorangegangener Schwarzbücher über die Waldorf Schulen oder über Scientology, doch neu.

Selten wurde wie hier bereits im Vorfeld einer Buchveröffentlichung derart massiv Druck auf den Verlag ausgeübt, selten wurde der Buchhandel nach der Veröffentlichung derart flächendeckend eingeschüchtert und vom Vertrieb des Buchs abgeschreckt.

Erstaunt waren wir nämlich vor allem, dass der Anwalt des WWF Deutschland, noch bevor wir uns mit den Vorwürfen angeblicher Falschbehauptungen befasst haben oder gar ein Gericht darüber entschieden hat, bereits zahlreiche unserer Abnehmer angeschrieben und diese über die Unterlassungsaufforderung an uns informiert hat. Zugleich wurde diesen mitgeteilt, dass dem WWF Deutschland Unterlassungsansprüche gegen sämtliche «Störer» zustünden.

Die Vertriebspartner haben dieses Schreiben als Aufforderung verstanden und wohl auch verstehen sollen, das Buch sofort aus dem Vertrieb zu nehmen und dieser Aufforderung zur Vermeidung juristischen €rgers sofort Folge geleitet.

Damit stehen wir vor der skandalösen Situation, dass das Buch auch einen Monat nach Erhalt der WWF-Abmahnung mit Unterlassungsaufforderung an Verlag und Autor zwar immer noch nicht Gegenstand einer gerichtlichen Entscheidung, geschweige denn eines Verbots, jedoch de facto nicht mehr im Markt erhältlich ist.» Auch Klaus Altepost, der Verlagsleiter des Gütersloher Verlagshauses, will mit diesem Debattenbuch aufklären, und nicht verleumden: «Das Gütersloher Verlagshaus steht für aktuelle kulturelle und gesellschaftliche Fragestellungen und engagiert sich im Bereich Gesellschaft als verlegerische Plattform für engagierte Analysen, provozierende Thesen und Debattenbücher.

Nicht zuletzt aus diesem Interesse hat es bereits viele Schwarzbücher publiziert (u.a. Schwarzbuch Scientology, Schwarzbuch Politik, Schwarzbuch Esoterik, demnächst: Schwarzbuch Feminismus) und scheut es nicht, für die wissenschaftlich fundierten Analysen, die diesen Schwarzbüchern zugrunde liegen, einzutreten.

Das «Schwarzbuch WWF» von Wilfried Huismann, das Ende April erschienen ist, entspricht einem typischen Schwarzbuch, das ja seiner Definition nach eine Sammlung von Negativbeispielen aus der Sicht des Autors sein soll. Wilfried Huismann hat durch minutiöse Recherchen detailliert nachgewiesen, wo Schattenseiten des WWF liegen.

Dem Gütersloher Verlagshaus ist bewusst, dass durch diese Veröffentlichung viele engagierte Umweltschützer und Unterstützer des WWF verunsichert werden könnten, und unterstützt von daher jede sachliche Debatte um das Buch sowie um das Engagement und die Praktiken des WWF. Der WWF seinerseits versuchte schon vor Erscheinen des Buches und jetzt nach Erscheinen noch massiver, dieses aufgrund eines vom Autoren ausgestrahlten Films im WDR zu stoppen. Das erscheint uns nicht als Chance, miteinander ins Gespräch zu kommen und im Sinne eines glaubwürdigen Engagements für Mensch, Tier und Umwelt zu wirken.»

Weitere Infos bei:
Dr. Renate Hofmann, Presseleitung
Tel 05241 / 80-1538 – Fax 05241 / 80-6-1538
E-Mail: renate.hofmann@gtvh.de
03. Juni 2012
von:

Über

Christoph Pfluger

Submitted by reto on Do, 07/13/2017 - 08:33

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".

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