Kunst integriert


Von: Regine Naeckel


Seit über zehn Jahren treffen sich im Berner Quartier Bümpliz Kinder und Jugendliche, um in der Kulturwerkstatt Kidswest gemeinsam an Kunstprojekten zu arbeiten. Das Besondere daran ist, dass die jungen Teilnehmer aus Mi­granten- und Flüchtlingsfamilien kommen, die über wenig finanzielle Mittel verfügen. Kidswest trägt nicht nur dafür Sorge, dass die Kinder sicher in die Werkstatt und zurück in ihre Wohnquartiere gelangen, auch die Fahrtkosten für die öffentlichen Verkehrsmittel werden übernommen. Auch Eltern und Verwandten bietet das Kulturprojekt eine Begegnungsstätte.

 

Die Gründerinnen, Michèle Berset und Meris Schüpbach, möchten einen Raum schaffen, in dem sich unterschiedliche Kulturen austauschen und kennenlernen. Die Kinder und Jugendlichen kommen in Kontakt mit anderen Welten, heraus aus ihrer gewohnten Umgebung. Dadurch werden ihnen Möglichkeiten, die das Leben ausserhalb des Alltags bietet, aufgezeigt und sie lernen, Hemmschwellen gegenüber Unbekanntem abzubauen. Das, so sind die Initiantinnen überzeugt, wirkt Diskriminierung entgegen und hilft, die Angst der Bevölkerung vor Überfremdung abzubauen.

Zurzeit arbeiten einmal wöchentlich 35 Kinder und Jugendliche zwischen 5 und 15 Jahren unter Anleitung von Künstlern an eigenen, von ihnen selbst entwickelten Projekten. Sie kommen aus 17 Ländern. Entsprechend bunt ist das Sprachgemisch, denn manche haben nur geringe Deutschkenntnisse. Kürzlich haben sie im Rahmen der Aktionswoche «Bern gegen Rassismus» das Projekt «Wir sind keine Monster – ich bin ein Mensch» vorbereitet und erfolgreich in den Strassen der Stadt durchgeführt. Sie stellten an Passanten Fragen,  die sie gemeinsam erarbeitet hatten und die in einem «Kennenlernbuch» zusammengefasst waren. Eines der Kinder porträtierte, während ein anderes die Fragen stellte. Die so entstandenen Bilder stiessen bei den Interviewten auf grosse Zustimmung, die meisten wollten ihr Konterfei behalten. Die aber sollten in einer späteren Ausstellung gezeigt werden, also malten sie gleich zweimal dieselben Passanten, damit jeweils ein Porträt verschenkt werden konnte.

Und es stehen schon weitere Pläne an: Diesen Herbst wird das von Kindern gemeinsam mit dem Autor Lukas Hartmann erarbeitete und illustrierte Buch Die Abenteuer der Prinzessin Ivana beim Stämpfli-Verlag erscheinen, doch zuvor nehmen die jungen Künstler am Strassenmusik-Festival «Buskers Bizaar» auf der Münsterplattform teil.  Offensichtlich kann Integration Spass machen – und das macht Mut!

        

 

 

www.kidswest.ch

 

 

Samstag, 13. Mai 2017

 


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