Palmen als Zeugen des Klimawandels

Nördlichste Palmenpopulation weltweit im Tessin

Dank dem Klimawandel wachsen Palmen jetzt auch problemlos in Mitteleuropa. Dies haben Forscher der Universität Bayreuth im Rahmen des EU-Projekts ALARM (Assessing Large Scale Risks for Biodiversity with Tested Methods) festgestellt. In Mitteleuropa ist die nördlichste, im Wald wachsende Palmenpopulation zu finden.
«Zu den vom Klimawandel begünstigten Arten gehört zum Beispiel die Palmenart Trachycarpus fortunei», erklärt der Pflanzenökologe Gian-Reto Walther. Eine Palme sei ein gutes Beispiel dafür, den gesamten Prozess zu illustrieren. Die aus Südostasien eingeführte Art konnte zwar lange Zeit in den Gärten und Parks unter der Obhut des Menschen überleben, es gelang ihr aber nicht, sich erfolgreich ausserhalb der Gärten in Konkurrenz zu den einheimischen Arten anzusiedeln. «Bis Südskandinavien konnten wir ausgepflanzte Palmen finden. Sie litten zwar unter den kalten Temperaturen, konnten den Winter aber dennoch überleben», so der Forscher. Seit den 70er Jahren herrschen in Europa generell mildere Winter. Und das hat das Überleben dieser Palmenart in den Gärten begünstigt.

«Seit wenigen Jahrzehnten gelingt es dieser Art, auch in den Wäldern Fuss zu fassen, aufzuwachsen und sich auch ausserhalb der Gärten zu verjüngen», berichtet der Forscher. Die Wissenschaftler konnten dies an verschiedenen Stellen am Alpensüdfuss im Grenzgebiet der Schweiz und Norditaliens nachweisen. «Dort befindet sich mittlerweile die neue weltweit nördlichste frei wachsende Palmenpopulation», erklärt Walther. Ähnliches gelte natürlich auch für die Alpennordseite: Auch hier ist der Klimawandel spürbar. «Die in den Gärten gepflanzten Palmen brauchen im Winter immer weniger geschützt zu werden oder überleben den Winter in Westdeutschland ungeschützt im Freien.» Ältere Exemplare zeigen bereits Blüten- und Fruchtstände und Sämlinge finden sich mancherorts unter «erwachsenen» Palmen.

In Experimenten konnten die Wissenschaftler zeigen, wie die Palmen auf die einzelnen Temperaturzonen reagieren. «Wenn es längere Zeit über kalt bleibt, gedeihen die Palmen kaum. Die Blätter bleiben klein, dennoch sterben sie nicht ab», erklärt der Forscher. Das Frühstadium der Verjüngung in Gärten wurde auch südlich der Alpen zu Beginn des 20. Jahrhunderts beobachtet, reichte aber noch nicht aus, um die Verwilderung in umliegende Wälder erfolgreich einzuleiten. «Die weitere Erwärmung im Verlauf des letzten Jahrhunderts schuf allerdings die klimatischen Bedingungen für das Überleben der verwilderten Palmen in den Wäldern», resümiert der Forscher.
Die Trachycarpus-Palme wird aufgrund ihrer Winterhärte in vielen Regionen der Erde im Grenzgebiet der globalen Palmenverbreitung angepflanzt. Damit kann über Kontinente hinweg der laufende und zu erwartende Klimawandel an ein und derselben Pflanzenart beobachtet werden: Die Palme wird somit zum Indikator und Zeugen der globalen Klimaerwärmung.

Quelle: pressetext.austria