Peitschen für den Pöbel
Vor zehn Jahren beschloss die frühere rot-grüne Bundesregierung die Einführung eines Billiglohnsektors. Darunter leiden nicht nur deutsche Lohnabhängige, darunter ächzt auch halb Europa.
An grossen Worten fehlte es nicht. «Heute ist ein schöner Tag für die Arbeitslosen in Deutschland», sagte der VW-Manager und Kanzlerberater Peter Hartz am 16. August 2002, als er dem damaligen Regierungschef Gerhard Schröder (SPD) die Empfehlungen seiner Kommission zur grössten Sozialreform der deutschen Nachkriegsgeschichte überreichte: Innerhalb von drei Jahren werde sich die Arbeitslosigkeit halbieren. Keine drei Jahre später brüstete sich Schröder dann am Weltwirtschaftsforum 2005 in Davos: «Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, die es in Europa gibt.» Da ahnte er noch nicht, dass seine Partei die Bundestagswahl 2005 verlieren würde. Und dass die SPD noch sieben Jahre später mit dem Erbe kämpfen muss, das er ihr hinterliess.
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