Peter Bichsel: «Ich will nicht in den Himmel»
Er ist Schriftsteller, er ist Christ, und er haut auch mit 75 noch gern auf den Tisch: Der Schweizer Peter Bichsel bei Publik-Forum. Von Wolf Südbeck-Baur.
Peter Bichsel, Sie sind Mitglied der Reformierten Kirche in der Schweiz, gehen aber nicht hin. Dennoch zahlen Sie gerne Ihre Kirchensteuer – in der Vorstellung, dass ein anderer kleiner Bub in der Kirche seine Emanzipation findet. Wie haben Sie selbst Ihre Emanzipation gefunden?
Peter Bichsel: Ich war ein sehr angepasster Bub, hatte sehr freundliche Eltern und war ein sehr anständiger Schüler. Ich hatte keine Möglichkeit, mich in der Unanständigkeit zu emanzipieren, sondern nur in übertriebener Anständigkeit. Das hieß für mich damals, dass ich mich nur im Pietismus emanzipieren konnte. Ich hatte eine frei gewählte pietistische Jugend, ohne von den Eltern beeinflusst zu sein. Angefangen hat das beim Blauen Kreuz und Bibellesebund, ging über freundliche Ländlischwestern und irgendwelche Predigten in der Unterkirche. In diese Frömmigkeit habe ich mich reingekniet und die Bibel gelesen, was als Bildungsfundus etwas Wunderbares war.
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