Sicherheit auf Tauchstation
Bei der Revision im AKW Leibstadt wurde ein Taucher verstrahlt. Der Untersuchungsbericht zum Vorfall offenbart bedenkliche Sicherheitsmängel
Es war ein simpler Handgriff, den ein Angestellter einer welschen Tauchfirma am 31. August 2010 tat - aber ein verhängnisvoller. Der Berufstaucher hatte im Brennelement-Transferbecken des Kernkraftwerks Leibstadt eben Instandhaltungsarbeiten beendet, als er am Boden des Beckens ein 25 Zentimeter langes Rohrstück entdeckte. Er hob es auf und legte es in einen Transportkorb. Als dieser aber an die Oberfläche gezogen wurde, schlugen die Geigerzähler an: Das Fundstück war verstrahlt - und der Taucher somit auch.
Die Untersuchung des ernsthaftesten Vorfalls in einem Schweizer AKW im Jahr 2010 wurde im Dezember abgeschlossen, ohne dass die Öffentlichkeit die Resultate erfuhr. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (Ensi) ergänzte einzig die Medienmitteilung, die unmittelbar nach dem Vorfall herausgegeben worden war. Nun liegen dem Beobachter der Ensi-Bericht und ein Expertengutachten zur Verstrahlung des Tauchers vor. Beide Berichte zeigen eine Serie von Unzulänglichkeiten und Sicherheitsmängeln.
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