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Überzählige Kinder in Europa?

Tausende unbegleiteter Migrantenkinder verschwinden jedes Jahr aus Institutionen


Von: Terre des hommes


Tausende von Kindern, die ohne Eltern nach Europa gekommen sind, verschwinden jährlich aus Asylzentren, Heimen oder Unterkünften, ohne dass hernach nach ihnen gesucht wird. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Schweizer Kinderhilfswerks Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), die in Genf und Brüssel vorgestellt worden ist. Untersucht wurde die Lage in der Schweiz sowie in Belgien, Frankreich und Spanien.

 

 

Spurlos verschwinden jährlich Tausende unbegleiteter minderjähriger Migrantinnen und Migranten, die in der Schweiz, in Belgien, Frankreich und in Spanien in Institutionen wie Asylzentren, Kinder- und Jugendheimen, Wohnunterkünften oder bei Pflegefamilien platziert wurden. Zumeist findet gar keine Suche nach ihnen statt. Das Untertauchen Minderjähriger ist kein marginales Phänomen, im Gegenteil, unter Jugendrichtern und Migrationsfachleuten ist die Rede von Verschwindensraten bis 50 Prozent. Absolute Zahlen zu nennen ist schwierig, weil zuverlässige nationale Statistiken fehlen. Immerhin lässt sich folgendes Bild zeichnen: Die Schweiz wies 2008 gemäss Bundesamt für Migration 631 verschwundene unbegleitete minderjährige Asylsuchende aus. 1393 gab Belgien im selben Jahr an. 5000 schätzte Frankreich für 2008. Keine Angaben waren für Spanien zu erhalten.

 

 

Jean Zermatten, Vizepräsident des UNO-Ausschusses für Kinderrechte, macht im Vorwort zur Studie „Überzählige Kinder in Europa?“ darauf aufmerksam, dass die betroffenen Kinder gleich in dreifacher Hinsicht besonders verletzlich sind: als Minderjährige, als Ausländer und Unbegleitete. Erst recht, ja umso mehr noch müssten diese Kinder Anspruch haben auf dieselbe Beachtung und die gleiche Sorge, wie sie andere Kinder auch erhielten, fordert Zermatten. „Verschwindet ein Kind aus einer Institution, aus welchem Grund auch immer, müssen die sonst üblichen Verfahren ausgelöst werden.“ Für unbegleitete, Asyl suchende Kinder dürfe es hier keine Ausnahme geben.

 

 

Peter Brey, CEO der Stiftung Terre des hommes – Kinderhilfe (Tdh), des grössten Schweizer Kinderhilfswerks, legt seinerseits den Finger auf diesen wunden Punkt. „Wer kümmert sich um diese Kinder? - Auch in der Schweiz, so finden wir, müssten die Behörden dafür sorgen, dass für alle unbegleiteten Minderjährigen unabhängige Fürsprecher oder Beistände bereit stehen, und dies nicht zuletzt mit Blick auf die Institutionen, die sie beherbergen. Und auf europäischer Ebene muss ohne Verzug damit begonnen werden, einen rechtlichen Rahmen abzustecken, um minderjährige unbegleitete Kinder zu schützen, denn diese Kinder sind gegenüber anderen heute diskriminiert.“

 

 

Die Studie wurde massgeblich verfasst von Sofia Hedjam, Juristin von Terre des hommes, und sie wird verantwortet vom Tdh-Sektor Kinderrechte unter der Leitung von Bernard Boëton. Für die Studie wurden zwischen September 2008 und August 2009 in Belgien, Frankreich, der Schweiz und Spanien 89 Fachleute, Richter und Behördenvertreter sowie 40 Kinder und Jugendliche befragt.

 

Quelle: www.tdh.ch

 

 

 

Samstag, 30. Januar 2010

 


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