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Vereint für ein neues Eigentumsrecht

Zwei Schweizer Bodenrechtsstiftungen haben sich zusammengeschlossen


Von: Heinz Girschweiler


NWO-Stiftung Belcampo – dies ist der Name einer neuen Schweizer Bodenrechtsstiftung. Sie setzt sich zum Ziel, das Gemeineigentum an der Lebensgrundlage Boden zu fördern und damit die gesellschafts- und umweltschädliche Spekulation einzudämmen. Am 28. Januar organisiert sie in Bern unter dem Titel «Eigentum und Freiheit» eine Tagung über altnernative Eigentumsmodelle. Ziel des freiwirtschaftlichen Bodenrechts ist es, Grund und Boden on öffentlichem Besitz zu halten und im Baurecht abzugeben.

 

Die NWO-Stiftung Belcampo ist das Fusionsprodukt der beiden Stiftungen Bel Campo und Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung, die beide Mitte der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts unabhängig voneinander gegründet worden sind. Der Name der Stiftung nimmt Bezug auf die Natürliche Wirtschaftsordnung Silvio Gesells und mit Bel Campo auf «Schönes Wohnen» im Sinne von sorgenfreier Existenz. Die Stiftung Bel Campo wurde seinerzeit von Pierre Tapernoux und Carl Rist gegründet, die Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung von der damaligen Liberalsozialistischen Partei und dem Basler Freiwirtschafter Paul Gysin, dem Begründer der Schweizerischen Freiwirtschaftlichen Bibliothek. Gysins Lebenswerk ist heute professionell katalogisiert und im Wirtschaftswissenschaftlichen Zentrum der Universität Basel bestens untergebracht. Die Bibliothek wird fachmännisch gewartet und aktualisiert. Die Kernbestände an freiwirtschaftlichen Schriften ist online weltweit abrufbar.

 

Eigentümerin von fünf Grundstücken

Im Jahr 1989 hat die Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung – angeregt durch eine grosszügige Grundstückschenkung – einen Bodenfonds eingerichtet. Er umfasst heute – dank weiterer Schenkungen und Zukäufe – je zwei Grundstücke in Egliswil AG und Hölstein BL sowie je eines in der Stadt Basel und in Osterburken (Baden-Württemberg). Die Stiftung gibt ihren Boden – gemäss freiwirtschaftlichen Vorstellungen – im Baurecht ab. Ein Verkauf der Grundstücke ist ausgeschlossen. Die Stiftung tut das, was ihrer Meinung nach Gemeinden tun sollten: Boden, statt ihn zu versilbern, langfristig zur Nutzung abgeben und die Einnahmen daraus im Sinne des Gemeinwohls einsetzen. Im Stiftungsstatut ist deshalb festgehalten, dass im Falle eines Erlöschens der Stiftung deren Grundstücke an die jeweiligen Gemeinden fallen sollten. Dies mit der Auflage, dass die Gemeinden den Boden nicht verkaufen, sondern weiterhin im Baurecht abgeben und von der Grundrente profitieren. Die Stiftung achtet in ihren Baurechtsverträgen auf faire Bedingungen für Baurechtnehmer und Baurechtgeber.

Durch den Zusammenschluss der beiden Vorgängerstiftungen ist das Vermögen der neuen Stiftung auf über eine Million Schweizer Franken angewachsen. Mit dem Erlös aus den Baurechtszinsen unterstützt die Stiftung Bestrebungen, die einem sozialen Bodenrecht dienen. Aber auch andere Projekte im Sinne einer umwelt- und menschengerechten Wirtschaftsweise und einer unparteiischen Geldordnung kann die Stiftung fördern. Der Stiftungsrat besteht gemäss Statut aus fünf bis zwölf Mitgliedern. Heute zählt er acht lebenserfahrene Köpfe. Er wird versuchen, in nächster Zeit neue Stiftungsrätinnen und Stiftungsräte zu finden, die zu einer Verjüngung beitragen.

 

Spekulation der Gründer hat sich erfüllt

Die Gründer der Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung haben – fast wagt man es nicht zuzugeben – spekuliert. Ihre Spekulation war die folgende: Man muss ein Gefäss (in Form der Stiftung) bereitstellen, dieses Gefäss bekannt machen und mit einem guten Zweck versehen. Und das Gefäss wird sich füllen. Die Spekulation hat sich – aus der Bilanz des ersten Vierteljahrhunderts – erfüllt. Begonnen hat die Stiftung mit 4000 Büchern und 10 000 Franken zu deren Unterhalt. Heute hat die Stiftung fünf Grundstücke, jährlich fliessende Einnahmen und ein Gesamtvermögen im Wert von mehr als einer Million Franken. Die beiden bisher schönsten Geschenke fallen auf die ersten und die letzten Jahre des ersten Vierteljahrhunderts Stiftungsgeschichte. Ende der achtziger Jahre vermachte ein betagtes Freiwirtschafterpaar der Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung ein Stück baureifes Land. Heute nutzen es zwei junge Familien in ihrem Doppeleinfamilienhaus. – Vor zwei Jahren dann wurde der Stiftungsrat durch einen eingeschriebenen Brief überrascht. Ein stiller – keinem Stiftungsrat bekannter – Freiwirtschafter hatte an seinem 99. Geburtstag ein Testament verfasst und darin die Stiftung für natürliche Wirtschaftsordnung mit einem sechsstelligen Frankenbetrag bedacht.

Solche Schenkungen bilden die Grundlage für die künftige Tätigkeit der NWO-Stiftung Belcampo. Als Nächstes plant die Stiftung eine öffentliche Tagung am 28. Januar 2012 in Bern zur Eigentumsfrage (siehe Kasten). Auch will die Stiftung Gemeinden immer wieder darauf hinweisen, dass der Verkauf von Grundstücken zum Aufbessern der Kasse eine schlechte Idee ist, weil sie kurzfristigem Denken entspringt und die Kommunen langfristig schwächt. Gerne berät der Stiftungsrat Interessenten auch zu den Kernpunkten fairer Baurechtsverträge. Weitere Aktivitäten wird der Stiftungsrat in nächster Zeit diskutieren und dann in Angriff nehmen.

Heinz Girschweiler, Präsident NWO-Stiftung Belcampo

www.nwo-belcampo.ch

 

 

 

 

Eigentum und Freiheit

Eine Tagung für kritische Geister

 

Auf Samstag, 28. Januar 2012 lädt die NWO-Stiftung Belcampo zur Tagung «Eigentum und Freiheit» in Bern, an der der alternative Eigentumsmodelle diskutiert werden. Alexander Dill, Basel, Philippe Mastronardi und Peter Ulrich von der HSG St. Gallen, Udo Herrmannsdorfer, Dornach, Raimund Rodewald, Bern, und Ernst Waldemar Weber, Bern, werden ihre eigentumspolitischen Vorstellungen in Kurzreferaten präsentieren und in Workshops vertiefen. Die Teilnehmer erörtern das Gehörte in gemischten Gruppen. Am Schluss werden die Erkenntnisse zusammengetragen und in einem Podiumsgespräch mit den Referenten eingeordnet. Die Teilnahmegebühr beträgt – inklusive Mittagessen, Getränke und Apéro – 80 Franken (120 Franken für Paare).

 

Auskunft und Anmeldung: www.nwo-belcampo.ch; info@nwo-belcampo.ch; NWO-Stiftung Belcampo, Räbacher 2, CH-8143 Stallikon.

 

 

Donnerstag, 10. November 2011

 


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