Vertrauen wächst nur langsam
Vor zehn Jahren erlebte Argentinien den Staatsbankrott. Was passiert mit einer Gesellschaft, die kein Geld mehr hat? Drei Menschen erzählen.
Die Balkontür steht offen. Unten galoppieren Dutzende von Polizisten auf ihren Pferden über den Asphalt. Anwohner haben in der Not begonnen, Supermärkte zu plündern – Handwerker, Firmenchefs, Hausfrauen. Die Argentinier sind wütend auf ihre Politiker. Steine fliegen, Tränengas liegt in der Luft, Autos stehen in Flammen.„Que se vayan todos!“, schreit die tobende Menge in Buenos Aires und anderen Städten. „Haut alle ab!“
So begann in Argentinien das Jahr 2002. Kurz vor Weihnachten hatte die Regierung den Staatsbankrott bekannt gegeben. Alle, die gute Kontakte zu Bankdirektoren haben, waren bereits wenige Tage zuvor informiert worden – und zogen ihr Erspartes rechtzeitig ab. Guillermo Grünewald gehörte nicht zu ihnen – er hatte andere Probleme. Denn auf der Straße entlud sich die Wut. Vom Balkon aus beobachtete er, wie sich berittene Polizisten vor seinem Hauseingang formierten. Seine Frau Alicia und Tochter Tatiana waren noch unterwegs, um Besorgungen zu machen. Via Handy warnte er: „Geht zur Wohnung der Großeltern oder einer Freundin, aber kommt nicht hierher. Unser Stadtteil gleicht einem Schlachtfeld.“
Weiterlesen unter: www.freitag.de
Druckversion

















