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Zeitpunkt 119, Mai/Juni 2012
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Ein Buch, das die Schweiz verändert




Die Vollgeld-Reform – wie Staatsschulden abgebaut und Finanzkrisen verhindert werden können. Mit Beiträgen von Hans Christoph Binswanger, Joseph Huber und Philippe Mastronardi. Edition Zeitpunkt, 2012. 80 S. Fr.12.50 / Euro 9.50.

Endlich wieder erhältlich




P.M.: Neustart Schweiz – so geht es weiter. Edition Zeitpunkt, 2010.
2. erw. Auflage, Fr. 18.70/€ 14.–.



Von der Phalansterie in den Darkroom

In den Sechzigern und Siebzigern wollten Linke den Sex befreien und meinten dabei meist den der heterosexuellen Männer. In den achtziger Jahren kämpften Feministinnen gegen Porno-Zensur und Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter für Selbstbestimmung. In den Neunzigern folgte die Queer-Bewegung. Heute werden Dildos vom Verbraucherschutz getestet, und an die Stelle der Forderung nach Befreiung und Selbstbestimmung ist der Imperativ sexuellen Selbstmanagements getreten. Eine kleine Geschichte des Verhältnisses der Linken zum Sex.


Von: Tim Stüttgen


Wie schreibt man einen Text über politisch korrektes Vögeln? Gibt es den politisch korrekten Fick? Oder die politisch korrekte Sexwelt? Gibt es einen politisch korrekten Fick im Falschen? Sollten wir gleich in der Gegenwart beginnen oder tief in der Geschichte kramen? Eigentlich hatte ich mich für Ersteres entschieden, doch als ich die neuen Veröffentlichungen zu postpornografischen Visionen zur Hand nahm, flatterte ein steinaltes Foto aus einem Buch heraus, das den utopischen Sozialisten Charles Fourier zeigte.

 

Der hatte immerhin schon vor mehreren Jahrhunderten gepredigt, dass eine Unterdrückung der körperlichen Begehren in einer Gesellschaft nur Unheil anrichte. Demnach entwickelte er eine ganze Gesellschaftstheorie um die Befreiung der Lüste, welche die Familienstruktur genauso auflösen sollte wie das Patriarchat. »Die Situation einer Gesellschaft lässt sich an der Situation der Frau ablesen«, hatte er einmal gesagt und kann somit zu den frühesten Pro-Sex-Feministen gezählt werden. Zu seiner neuen Gesellschaftsordnung gehörte sogar eine neue Architektur. Seine sogenannten Phalansterien waren Gebäude für Wohn- und Produktionsgemeinschaften, die Kollektivität und freie Liebe fördern sollten. Fourier war also cool genug, das alles zusammenzudenken. Produktion und Begehren bedingten sich: Eine Befreiung des einen sei ohne Befreiung des anderen nicht möglich. Zu Fouriers zahlreichen Bewunderern zählten denn auch Friedrich Engels, Theodor W. Adorno, Roland Barthes und André Breton. Freie Liebe war demnach schon Ende des 18. Jahrhunderts ein Topos für die Progressiven.

 

Ganzer Artikel lesen: www.jungle-world.com

 

 

 

Donnerstag, 23. September 2010

 


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