Warum der Benzinpreis nicht sinken darf
2011 war Rekordjahr für die Kraftstoffpreise. Doch sinken dürfen sie nicht allzu sehr. Die Stabilität des arabischen Raums hängt an den Geldbörsen der Autofahrer. Zu diesem Schluss muss man kommen, wenn man den Bericht des Internationalen Währungsfonds liest, der auch "fiskalische Verletzlichkeiten" verschiedener Staaten in Nordafrika und dem arabischen Raum untersucht. Demnach braucht Saudi-Arabien, der Swing-Producer der globalen Ölmärkte, inzwischen einen Ölpreis von 80 US$ pro Barrel, um den Staatshaushalt im Gleichgewicht zu halten. Seit 2008 ist dieser "break-even oil price" (BEOP) des Landes um 30% gestiegen.
Auch andere Ölexporteure der MENA-Staaten (Naher Osten + Nordafrika) haben steigende Staatsausgaben vorzuweisen, was ihre Mindestölpreise ebenfalls anhebt: Irak und Bahrain führen die Liste mit 100 US$ an, Algerien knapp dahinter. Neben Saudi-Arabien brauchen auch die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) und Iran mehr als 80 US$, um den Staatshaushalt auszugleichen. Nur Kuwait und Katar können mit 50 US$ noch gut leben. Der Zielpreis von 100 US$ pro Barrel, den Iran zu Beginn seiner OPEC-Präsidentschaft Ende 2010 nannte, ist inzwischen Standardpreis und Saudi-Arabien hat dieses Preisniveau nun offiziell ebenfalls als Zielpreis benannt.
Die Anstiege dieses "break-even oil price" um bis zu 60% (UAE) sind vor allem auf steigende Sozialausgaben zurückzuführen. Die Unruhen in Äypten, Libyen und Tunesien zeugen von Unzufriedenheit in der Region, deren Übergreifen viele Regierungen fürchten. Staatliche Geschenke sind ein Beruhigungsmittel. Subventionen zurückzufahren, löst Proteste aus - wie die Streiks in Nigeria zeigen, die als Protest gegen Streichung von Subventionen auf Benzin einsetzten und inzwischen zu einer teilweisen Rücknahme der Subventionsstreichung geführt haben - natürlich zu Lasten des nigerianischen Staatshaushalts.
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