Worte für das Unfassbare
Das Zusammensein mit Sterbenden und Verstorbenen ist heute aus dem Alltag verbannt. Dabei ist es eine Brücke zum Sinn des Lebens.
Als ich zwölf Jahre alt war, besuchte meine Großfamilie ein junger Mann namens Michael Kraft. Ich erinnere mich, wie er als schmale Gestalt am Esszimmertisch saß in einem seltsam altmodisch bestickten, hellen Kittel, und ich meinte, jemanden aus ganz alter Zeit zu sehen – einen Wandersmann aus einem Märchen. So unrecht hatte ich nicht. Michael war Archäologe. Schon vor seinem Studium hatte er in Griechenland intensiv an Ausgrabungen mitgearbeitet. Doch über das Graben in der Vergangenheit war ihm der Sinn für die Gegenwart abhanden gekommen. »Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?« Dieser Satz aus der Osterpredigt war ihm in die Knochen gefahren. Er hängte die Archäologie an den Nagel und landete als Croissant-Verkäufer im Stuttgarter Hauptbahnhof doch nur wieder im Untergrund. »Gib mir irgendeine Arbeit«, sagte er damals zu Johannes Heimrath, einem der Gründer der Familie. Die Arbeit, die im Jahr 1986 auf den richtigen Menschen wartete, war die Leitung unseres kurz vor seiner Eröffnung stehenden Bioladens »Naturhaus im Bachhuber« in Egling, dem ersten modernen Naturkostladen im bayerischen Voralpenland. Über Nacht wurde Michael zum Pionier der Naturkost-Bewegung – und der »Bachhuber« mit ihm ein Ort der Wärme und der Suche nach einer helleren Zukunft.
Weiterlesen bei «oya»:
http://www.oya-online.de/article/read/538-Worte_fuer_das_Unfassbare.html
Druckversion

















