«Zum Mann gehätschelt, zum Mann gedrillt»
Gegen die türkische Soziologin, Schriftstellerin und Feministin Pinar Selek läut ein Gerichtsverfahren, das jedem Gerechtigkeitsempfinden spottet. Ihr Leben als Aktivistin, di die Tabus der türkischen Gesellschaft angreift, ist geprägt von Gewalt, Folter und Justizwillkür. Immer noch gibt es in dem NATO-Land, Menschen, die wegen Verfolgung nicht in ihre Heimat zurückehren können.
Außerordentlich lebendig ist sie, sie ist schön, lacht gern und man hat das Gefühl, sie steht ständig unter Hochspannung.
Kein Wunder nach den Erfahrungen, die sie gemacht hat.
1971 wird sie in Istanbul geboren. Ihr Vater ist ein bekannter linker Strafver-teidiger, war selber Jahre im Gefängnis.
Pinar ist leidenschaftliche Soziologin. Sie betreibt ihre Wissenschaft nicht aus dem sicheren Abstand der Theorie, sie ist den Menschen nahe, deren Lebensbe-dingungen sie untersucht und beschreibt.
Sie ist Friedensaktivistin, Feministin, gibt mit anderen zusammen die türkische Frauenzeitung Amargi heraus. Sie forscht über Straßenkinder, lebt auch eine Zeitlang mit ihnen, über Prostituierte, Transsexuelle, über die Mannwerdung in der Türkei, über Geschlechterrollen, die Rolle des Militärs, über den Konflikt mit der kurdischen Minderheit. Als sie eine Studie über Kurden veröffentlicht, soll sie den Staatsbehörden die Namen derjenigen herausgeben, die sie befragt hat. Sie weigert sich. Man sucht einen Vorwand, sie mundtot zu machen. Ihr Verbrechen in der Anschauung des türkischen Staates ist es, die Tabus der türkischen Gesellschaft infrage zu stellen.
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