Sauberes Trinkwasser rückt einen grossen Schritt näher

Die sog. Trinkwasser-Initiative hat die nötigen 100’000 Unterschriften beisammen und wird im Januar eingereicht.

Landwirte, die Pestizide ausbringen, sollen nach dem Willen der Initianten keine Direktzahlungen mehr erhalten. Foto: publicdomainpictures.com

Phänomenal: In nur acht Monaten hat die Volksinitiative «Für sauberes Trinkwasser und gesunde Nahrung – Keine Subventionen für den Pestizid- und  den prophylaktischen Antibiotika-Einsatz» die nötigen 100’000 Unterschriften geschafft. Hinter der Initiative steht keine potente Organisation, sondern ein kleines, vor allem weibliches Komitee um Franziska Herren. Das Ziel der Initiative ist einfach und hat offenbar überzeugt: Landwirte, die Pestizide ausbringen oder präventiv Antibiotika einsetzen und dadurch das Trinkwasser verschmutzen, sollen keine Subventionen mehr erhalten.
Noch bevor die Initiative lanciert wurde, warnte der Bauernverband, «sie würde die Nahrungsmittelproduktion in der Schweiz stark einschränken und die Abhängigkeit von Importen erhöhen».

Auch die grossen Umweltorganisationen hielten sich mit der Unterstützung der Initiative zurück. Man gönnt sich wenig und hilft sich nur, wenn man einer Gegenleistung sicher sein kann. Das ist bei kleinen Komitees mit beschränkter Lebensdauer unsicher, und so bleiben die Etablierten unter sich.
Trotzdem hat sich der Erfolg bereits im Herbst abgezeichnet, als erste Medien meldeten, die Initiative sei in trockenen Tüchern. Das ist aber gemäss heutiger Mitteilung erst jetzt der Fall. Gesammelt wurden 115’000 Unterschriften. Selbst wenn bei der Beglaubigung zehn Prozent durchfallen, hat es die Trinkwasser-Initiative geschafft.

Der Zeitpunkt ist an dem schönen Erfolg nicht ganz unbeteiligt. Dem Magazin lag schon früh ein Unterschriftenbogen bei, und Leserinnen und Leser unterstützten den Start mit rund 10’000 Franken.
Wir gratulieren Franziska Herren und ihrem Komitee zum grossartigen Erfolg und wünschen viel Kraft für den anspruchsvollen Weg zur Abstimmung.

An drei von vier Wasserfassungen im Mittelland liegen die Pestizidrückstände über dem Anforderungswert.

Die Schweiz zählt zu den Ländern mit dem höchsten Pestizideinsatz Europas. Die gesetzlichen Anforderungswerte werden in fast allen bisher genauer untersuchten Oberflächengewässern … in hohem Masse überschritten. «An drei von vier Wasserfassungen im Mittelland liegen die Pestizidrückstände über dem Anforderungswert», erklärte Roman Wiget, Präsident der «Kommission Wasserressourcen» des Schweizerischen Vereins des Gas- und Wasserfachs bei der Lancierung der Initiative am 22. März. Dessen ist sich auch die Politik bewusst, die seit den 1990er Jahren den Pestizideinsatz reduzieren will – mit sehr beschränktem Erfolg.

Der Bundesrat hat versprochen, die Probleme des exzessiven Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft mit einem «Aktionsplan» anzugehen. Bis 2026 sollen die Gesetzesüberschreitungen halbiert werden – für die Urheber der Trinkwasser-Initiative eine «unglaubliche Respektlosigkeit gegenüber Natur, Menschen und Tieren». Und gegenüber dem Gesetz, muss man ergänzen.

Mehr zur Initiative:
http://www.zeitpunkt.ch/index.php/news/artikel-einzelansicht/artikel/di…
http://www.zeitpunkt.ch/index.php/news/artikel-einzelansicht/artikel/ke…

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Christoph Pfluger

Submitted by reto on Do, 07/13/2017 - 08:33

Christoph Pfluger ist seit 1992 der Herausgeber des Zeitpunkt. "Als Herausgeber einer Zeitschrift, deren Abobeitrag von den Leserinnen und Lesern frei bestimmt wird, erfahre ich täglich die Kraft der Selbstbestimmung. Und als Journalist, der visionären Projekten und mutigen Menschen nachspürt weiss ich: Es gibt viel mehr positive Kräfte im Land als uns die Massenmedien glauben lassen".

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