Versuchungen aller Art gibt es bekanntlich im praktischen Leben, in der Seele und überall in Stadt und Land. Die Versuchung ist bedeutend mehr als nur ein Versuch, sie durchzieht das Leben in der Tiefe und weckt neue Gedanken, nicht nur gute, auch gefährliche.

Darum klingt die spirituelle Ansprache «und führe uns nicht in Versuchung» im Vaterunser nach einem grundlegenden Bedürfnis im Bereich der Orientierung unserer Lebensplanung. Aber die Anrede der göttlichen Autorität, uns ja nicht auf den falschen Weg zu schicken, enthält die Annahme, dass die Versuchung gar nicht unbedingt unserer eigenen Leichtfertigkeit entspringen muss, sondern von höchster Seite in uns zu dringen vermag.

20. Mai 2018vonOlaf Schmalstieg