Vermögen auch in Österreich extrem ungleich verteilt

Die Arbeiterkammer in Österreich hat sich mit den neuesten Befragungsergebnissen der Österreichischen Nationalbank zu Einkommens- und Vermögensfragen beschäftigt. Ihr Fazit: Die Vermögensungleichheit ist viel höher als ursprünglich angenommen und ändert sich kaum. In Österreich und Deutschland ist die Ungleichheit besonders hoch. In Südeuropa ist der Anteil der BürgerInnen mit Wohneigentum weit höher, dafür ist die Soziale Absicherung in Österreich besser.

Das reichste Prozent der Haushalte in Österreich besitzt fast ein Viertel des Vermögens. Die obersten 10 Prozent haben mehr als die restlichen 90 Prozent der Bevölkerung gemeinsam. Die Vermögensungleichheit bleibt damit seit Jahren auf hohem Niveau und zählt zu den höchsten in Europa. Das untere 50 Prozent besitzt nicht einmal 4 Prozent des Vermögens.

Einen spannenden Einblick liefert der HFCS 2017 auch beim mittleren Vermögen nach Berufsgruppen. Haushalte von UnternehmerInnen (Median: 254.000 €) und LandwirtInnen (896.500 €) haben deutlich höhere Vermögen als etwa Angestellte (82.400 €), ArbeiterInnen (34.400 €) oder Arbeitslose (3.100 €). Damit zeigen auch die neuen Daten, dass Arbeitslose privat nur auf die notwendigste materielle Absicherung zurückgreifen können.

Da die "Superreichen" an diesen Erhebungen nicht teilnehmen, ist davon auszugehen, dass die tatsächliche Ungleichheit noch höher ist.  Die Wissenschaftler schätzen, dass der Vermögensanteil des obersten Prozentes nicht bei 25 Prozent sondern bei 40 Prozent liegt. 

Eine echte Mittelschicht sucht man in der Vermögensverteilung vergeblich, denn die reichsten 10 Prozent  besitzen mehr als die restlichen 90 Prozent und die Hälfte der Bevölkerung hat weniger als 83.000 Euro Nettovermögen. Allerdings fühlen sich dennoch viele Menschen der Mittelschicht zugehörig. Auch die Reichsten schätzen ihre eigene Position falsch ein. Sie sind gefühlt sehr viel ärmer als sie es tatsächlich sind. 

Österreich gehört damit zu den Ländern in Europa mit der höchsten Vermögensungleicheit 

Die Daten belegen, dass Österreich mit Deutschland zu den Ländern im Euroraum mit der höchsten Vermögensungleichheit gehört. Das durchschnittliche Nettovermögen pro Haushalt liegt in Österreich und Deutschland  unter den Werten einiger südeuropäischer Nachbarstaaten. Der Grund: In Österreich und Deutschland besitzen sehr viele BürgerInnen kein Wohneigentum. Dafür sind die sozialen Sicherungssysteme allerdings besser ausgestattet. 

Die gute soziale Absicherung und die öffentliche Infrastruktur, von den Krankenhäusern über den ÖPNV bis zu den Museen, sind also für die meisten ÖsterreicherInnen ein besonders wichtiges Vermögen. 

Vermögen ist auch in der dritten Welle des HFCS Befragung noch immer extrem ungleich verteilt und Österreich und Deutschland gehören zu den ungleichsten Ländern des Euroraums.  Das Erbschaftsgeschehen trägt dazu bei, diese Ungleichheit noch zu verstärken und verfestigen. Der Wohlfahrtsstaat trägt mit seinem öffentlichen Vermögen für einen hohen Lebensstandard ganz wesentlich bei. Es ist daher besonders wichtig, den Sozialstaat weiter auszubauen und im Sinne der sozialen Gerechtigkeit auch vermögensbezogene Steuern zur dessen Finanzierung heranzuziehen.

 

16. Januar 2019
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