Wir haben nur noch die Wahl zwischen Sozialismus und Sozialismus

Während die einen im Luxus ersticken, kann der Kapitalismus gar nicht anders, als Güter zu verknappen, die Menschen besonders dringend brauchen. Am Ende hat man nur noch die Wahl zwischen Sozialismus und Sozialismus: Einem Nationalsozialismus, der nur umverteilt und Skrupellosigkeit belohnt, und eine Gesellschaft, die immer weiter in sich selber investiert, bis es für alle genug und gut ist. Einer sozialen Demokratie. Eine bemerkenswerte Bestandaufnahme des bekanntn US-Amerikanischen Autors und Blogers Umair Haque.

Erster Mai Demonstration  Chicago 2018
cc Charles Edward Miller

Der Kommunismus sowjetischer Prägung litt unter chronischen  Versorgungs-engpässen. Vor allem bei Luxusgütern. Die Schlangen derer, die für Jeans, Pullover, Lautsprecher und Fernseher anstanden, gingen oft um einen ganzen Block herum, und ließ viele am Ende mit leeren Händen zurück. Die dekadenten Westler hingegen, spazierten einfach in Geschäfte hinein und kauften sie zuhauf. 

Und nun bricht der Kapitalismus auf eine ganz ähnliche Art und Weise zusammen. Die chronischen Engpässe, die er hervorbringt, betreffen aber das genaue Gegenteil. Nicht die Luxusgüter sind knapp.  Knapp sind die Güter des täglichen Bedarfs: Medizin, Krankenhäuser, Bildung, gute Schulen, anständige Medien, ein Zuhause zum Leben, Einkommen, Arbeitsplätze. Auch Trinkwasser und anständiges Essen.

In Amerika zum Beispiel, gibt es keine Garantie dafür, dass man diese Dinge bekommen kann, weil ihr Angebot immer zu knapp ist.  Tatsächlich laufen ständig Menschen Gefahr, dass sie keinen Zugang zu diesen Gütern haben.

Und ist es nicht eine Ironie des Schicksals, dass der Kapitalismus und der Kommunismus an den gleichen Dingen scheitern – nur  spiegelverkehrt? Warum ist das so? Und was bedeutet es?

Der Kapitalismus und der Kommunismus scheitern an den gleichen Dingen - nur spiegelverkehrt. 

Mir scheint, dass wir in Zukunft nur noch zwischen zwei Dingen die Wahl haben: Sozialismus und Sozialismus. Oder gar keine Zukunft.

Wir haben die Wahl zwischen einer guten Art von Sozialismus und einer schlechten Art von Sozialismus. Der Grund dafür ist: Der Kapitalismus hat in den letzten 30 Jahren vollständig versagt. 

Ich werde diese These jetzt begründen, und Sie können anschließend beurteilen ob mir das gelungen ist.

Wenn man nicht an kosmische Zufälle glaubt, ist der Grund dafür, dass ultranationalistische Bewegungen über Nacht auftauchen, ganz einfach: Die Wirtschaft  stagniert, und den Menschen geht es nicht mehr besser.

Aber was bedeutet es tatsächlich? Es bedeutet, dass unser Leben von künstlicher Knappheit beherrscht wird. Der Mittelstand und die Arbeiterklasse stehen heute auf der Kippe, weil der Kapitalismus künstlich Knappheiten erzeugt. Er tut dies, um seine Profite zu steigern.

Der Kapitalismus macht Dinge künstlich knapp, um Gewinne zu maximieren.

Der Kapitalismus macht Dinge künstlich knapp, um Gewinne zu maximieren.

Welche Dinge?

Den Zugang zum Gesundheitswesen. Erschwingliche Bildung. Eine Hypothek, die man in einem Leben abtragen kann. Anständige Jobs. Heiraten können, Kinder haben und eigene Häuser.

Wenn wir z.B. für Insulin Tausende bezahlen, obwohl wir alle wissen, dass  seine Herstellung nur Pennys kostet, dann ist das eine  künstliche Verknappung.

Die Knappheit an diesen lebenswichtigen Dingen ist künstlich, denn diese Dinge sind nicht wirklich knapp.  

Die Gesellschaft wirft tonnenweise Lebensmittel weg und neu gebaute Häuser verfallen - während junge Menschen bei ihren Eltern leben. Milliardäre schießen Weltraumraketen ab, während junge Diabetiker ohne Insulin sterben.

Diese Gesellschaft könnte es sich ganz einfach leisten, allen Menschen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen. Aber das ist in einem neoliberal verfassten Kapitalismus verboten, weil dann die Gewinne nicht mehr wachsen würden, und das Wachstum selber zum Stillstand käme.

Denn diese Güter künstlich zu verknappen,  ist der einzige Weg, wie der Kapitalismus seine Gewinnmargen erhöhen kann. So entwickelt sich das Paradoxon einer "wachsenden" Wirtschaft in der Lebenserwartung, Einkommen, Vertrauen, Sinn und Glück sinken.

Das ist der Grund, warum die Lebensbedingungen großer Teile der Mittel- und Arbeiterklasse in vielen Hinsichten jetzt schlechter sind, als noch vor wenigen Jahrzehnten.

Oder glauben Sie vielleicht, dass ein größerer Fernseher ein adäquater Ersatz für das Fehlen eines sicheren Arbeitsplatzes sein kann? Für das Ausbleiben von Gehaltserhöhungen, stabiler Arbeitsplätze, wachsender Ersparnisse, einer Hypothek, die man bezahlen kann,  Gesundheitsfürsorge, die man sich leisten kann und eine Stabilität, auf die man sich verlassen kann?

Die Reichen besitzen inzwischen astronomische Summen, aber das Leben all derer, die nicht so reich sind, ist prekär geworden und ständig bedroht. Und das liegt daran,  dass alle Güter, die unsere Grundbedürfnisse befriedigen, und ein menschenwürdiges Leben ausmachen, inzwischen außer Reichweite sind. Einfach unerreichbar.  Das ist kein Versehen, es ist ein Merkmal des räuberischen Kapitalismus. Und das ist der Grund, warum wir in Zukunft nur noch die Wahl zwischen zwei Arten von Sozialismus haben.

Das ist der Grund, warum wir in Zukunft nur noch die Wahl zwischen zwei Arten von Sozialismus haben. 

Wenn Sie das genau so sehen, werden auch Sie zu der Einschätzung kommen, dass der Kapitalismus - zumindest in seiner gegenwärtigen  Form – als monopolistischer, finanzmarktbasierter Mega-Kapitalismus - gescheitert ist, weil er eine kleine Zahl von Menschen auf Kosten der Mittelklasse und der Arbeiterklasse extrem reich macht. Menschen, für die diese künstliche Verknappung Karotte und Peitsche zugleich ist.

Eine solche Wirtschaft "wächst", weil sie mehr Gewinne erwirtschaftet, indem sie künstliche Knappheit maximiert. Doch während das für Eliten und Reiche ein guter Deal ist, erweist es sich für die Gesellschaft als Ganzes als ruinös. Denn niemand der bei Verstand ist, wird sich das auf Dauer gefallen lassen, und sich früher oder später Faschisten, autoritären Bewegungen und Extremisten zuwenden.

Daher endet der Kapitalismus, so wie wir ihn praktizieren, in einer implosiven Stagnation.

Deshalb ist der Sozialismus unsere Zukunft. Aber nicht jeder Sozialismus ist gleich. Sozialismus kann ganz entgegensetzte Dinge bedeuten. Auf der einen Seite befindet sich die soziale Demokratie. Auf der anderen Seite  der Nationalsozialismus.

Welchen von beiden wünschen wir uns? Welcher ist gut und warum?

Fangen wir mit dem Nationalsozialismus an. Was genau ist das? Viele amerikanische Denker werden bestreiten, dass es  so etwas überhaupt gibt,  aber sie sind auch nicht bekannt dafür, gut zu denken.

Nationalsozialismus ist tatsächlich eine Art Sozialismus.  Er  ist so etwas wie "Sozialismus für das wahre Volk“ und er zielt darauf ab, dass „nur die Menschen reinen Blutes, die vom eigenen Boden stammen, es auch verdienen, an den Früchten der Arbeit der Gesellschaft teilzuhaben".

Denken Sie nur an „den echten Deutschen“. Er war der Nutznießer des Nationalsozialismus. Er erhielt einen stabilen Arbeitsplatz, ein regelmäßiges Einkommen, Ersparnisse, ein Zuhause, Gesundheitsfürsorge, Sicherheit, die Möglichkeit, sich um seine Familie und Kinder zu kümmern. Er bekam das alles zum ersten Mal seit Jahrzehnten. Aber es hatte seinen Preis.

Nehmen wir einmal an, er war Rechtsanwalt. Dann hat er seine Tage vielleicht damit verbracht, Gesetze zu erarbeiten, die den Juden ihre Häuser wegnahmen. Und wer hat diese Häuser dann bekommen? Parteimitglieder natürlich. Oder vielleicht war er auch bei der Gestapo. Ein Offizier. Dann war es seine Aufgabe sicher zu stellen, dass alle Juden gelbe Sterne trugen. Dafür wurde er mit Geld belohnt und konnte sich viele Dinge kaufen. Er bekam ein Heim, Gesundheitsfürsorge, ein anständiges Leben. Aber er bekam das alles nur, weil er es anderen Leuten wegnahm. Macht das klar, wo das Problem liegt und die Ähnlichkeiten sind?  

Nationalsozialismus bedeutet: Ich kann nur dann ein gutes Leben haben, wenn ich Dir Deines wegnehme.

Der wahre Deutsche spielte ein „Null-Summen-Spiel“ nach dem Motto: Ich kann ein gutes Leben haben, aber nur wenn ich Dir Deines wegnehme. Die Arbeit, die der echte Deutsche verrichtete, bestand in Unterdrückung, in der Unterwerfung von Juden, Schwulen und Immigranten. Im Abbau von Gleichheit, Freiheit und Demokratie. Darin, den Rechtsstaat zu pervertieren, und ihn als Waffe zu benutzen, um Hab und Gut, Geld, Ersparnisse, Besitztümer und Häuser zu beschlagnahmen. Das waren die neuen "Arbeitsplätze" im nationalsozialistischen Deutschland. Ein Nullsummenspiel, bei dem dem den einen das Leben genommen wurde, um es anderen zu geben.

Nationalsozialismus bedeutet: Ein Stamm beschließt, sich alles, was einer anderen  Gesellschaft gehört, anzueignen und es unter sich zu verteilen. Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage, warum die echten Deutschen damals blind waren?  Der Preis für die Zuteilung eines guten Lebens durch die Partei bestand darin,  anderen, die in den Augen der Partei weniger wert waren, alles wegzunehmen.

Wie sonst kann das Problem der Stagnation gelöst werden?

Sehen Sie den Zusammenhang? Es ist ganz entscheidend, dies zu verstehen. Wenn man das versteht, versteht man auch die Zukunft. Eine Gesellschaft kann Stagnation – einen Mangel an Grundgütern - nur auf zweierlei Art lösen. Man kann einen Teil der eigenen Leute enteignen – um dann die Medizin, das  Geld, diese Häuser, den anderen zu geben. 

Aber wer ist der dann der Gewinner und wer verliert?

Die „Unreinen“ werden enteignet und die „Reinen“ sind die Gewinner.  Der  Nationalsozialismus beruht auf der Überlegenheit einer Rasse.

Aber löst das wirklich unser Stagnationsproblem, wenn man denen, die nicht dazugehören, etwas nimmt, um es anderen zu geben? Tatsächlich entsteht auf diese Weise nur die Illusion von "Wachstum", ein Gefühl von Stabilität, Zweck, Bedeutung, Zugehörigkeit und Wohlstand. Der Preis dafür ist, dass eine solche Gesellschaft niemals frei, demokratisch, gleich oder fair sein kann.

Der Nationalsozialismus verlangt von Menschen, sich gegenseitig zu unterwerfen und zu unterdrücken. Das ist sein Preis. Es ist ein Nullsummenspiel, das zu einem Negativsummenspiel wird, das die Gesellschaften nirgendwo hinbringen.

Und ist es nicht genau das, was wir in Amerika gerade erleben? Was ist ICE wirklich? Was sind all diese seltsamen neuen Regierungsbehörden, deren einzige Aufgabe es zu sein scheint, die zu unterdrücken, zu unterjochen und zu schädigen, die "unrein" sind und nicht zum richtigen Stamm gehören?

Es handelt sich um Wohlfahrtsprogramme für die Reinen, nicht wahr? Es sind Strategien, den Mitgliedern des eigenen Stammes und den „guten Amerikanern“ Einkommen, einen Job, Gesundheitsversorgung, Ersparnisse, ein Zuhause zukommen zu lassen. All die Dinge, die heute in Amerika Mangelware sind.

Aber der Preis ist, dass man kleine Kinder ausschließen, bestrafen und verletzen muss. Es ist eine Art von Nationalsozialismus, wenn man den einen wegnimmt, was man für ein anständiges Leben braucht, um andere mit diesen Gütern zu belohnen.  Auch das ist eine sehr reale Art von Sozialismus.

Eigentlich sollte klar sein, dass der Nationalsozialismus die schlechte Wahl ist. Dass er die Wahl ist, die wir nicht treffen sollten. Weil er selbstzerstörerisch ist. Dieser Weg  "löst" das Problem der Stagnation auf eine dumme, kleine und ruinöse Weise. Wenn wir von einigen wenigen nehmen, und uns anzueignen, was ihnen gehört, haben wir einen Teufelskreis in Gang gesetzt, der in Krieg, Völkermord und unserem eigenen sicheren Untergang enden wird. Weil wir das nicht der ganzen Welt antun können.

Soziale Demokratie: Eine Gesellschaft, die in sich selber investiert.

Dann gibt es aber auch noch die soziale Demokratie.

Was macht die anders? Kurz gesagt: Alles. Die Art und Weise, wie sie das Problem der Stagnation löst, ist grundlegend anders. Sie nimmt nicht das Geld, die Jobs, die Häuser, den Besitz und die Ersparnisse der Einen, um es den „Reinen, Starken und Mächtigen“ zu geben.

Es ist eine Gesellschaft, die in sich selber investiert.

Sie baut mehr Krankenhäuser, Autobahnen, Straßen, Schulen, Universitäten, Labors, Studios, Wohnungen. Sie tut das, um sicherzustellen, dass jeder eine Ausbildung, ein Einkommen, Gesundheitsversorgung, Versicherungen und ein soziales Sicherheitsnetz haben kann.

Sehen Sie den Unterschied? Der Nationalsozialismus funktioniert durch Enteignung: Ich nehme das, was Ihnen gehört. Dann gehört es der Partei, die damit die Grausamsten und Bösartigsten belohnt.

So kann das Grundprinzip des räuberischen Kapitalismus besiegt werden

Eine soziale Demokratie funktioniert durch das genaue Gegenteil: Investitionen. Wir alle bündeln unsere hart erkämpften Ersparnisse und investieren sie in Dinge, die uns allen zugutekommen. Denn es handelt sich um die Dinge, die wir uns nur so leisten können. Selbst ein Milliardär kann ein hochmodernes Krankenhaus nicht für sich selber einrichten und es für mehr als ein paar Jahre betreiben. Dafür braucht es eine ganze Gesellschaft. 

Für die Soziale Demokratie bedeutet Sozialismus nicht einfach "Umverteilung". Es geht ihr nicht nur darum, wer was bekommt.  Es ist ein Weg, die Güter, die für ein gutes Leben notwendig sind, immer weiter auszubauen, bis am Ende jeder Teilhaben kann.

So kann das Grundprinzip des räuberischen Kapitalismus besiegt werden, der nicht anders kann, als künstliche Knappheit zu erzeugen, um Gewinne in die Höhe zu treiben.

Dieser Sozialismus ist ein Weg, den künstlichen Mangel an grundlegenden Gütern wie Gesundheitsversorgung, Bildung, Verkehr, Medien, Sicherheitsnetze, Rente, Renten zu besiegen.

Nun ja. Dieser Aufsatz ist jetzt schon viel zu lange. Man könnte auch sagen: "Aber das ist doch ganz offensichtlich!" Aber meine Freunde: wenn das tatsächlich der Falle wäre, wäre dann die Welt so, wie sie heute ist?

Umair Haque, ist ein bekannter US-amerikanischer Managementberater, Autor und Bloger

 

Übersetzt mit www.DeepL.com/Translator und weiter bearbeitet von Christine Ax