eBike-Unfälle nehmen stark zu. Das ist nur die halbe Wahrheit.

In der ersten Hälfte dieses Jahres sind 207 Elektrovelo-Fahrer schwer verletzt worden, mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Diese Mitteilung des Bundesamtes für Strassen (Astra) hat die Schweiz erschreckt. Der wichtigere Teil dieser Halbwahrheit wurde allerdings verschwiegen.

Fast dreimal so viele eBikes und fast dreimal so viele Unfälle – bedeutet dies eine Erhöhung der Unfallgefahr? (Foto MaBras / pixabay.com)

Felix Schindler hat die Sachlage auf infosperber.ch untersucht und kommt u.a. zu folgenden Ergebnissen:

Nicht nur die Zahl der Unfälle mit Elektrovelos hat zugenommen, sondern auch die Zahl der Elektrovelo-Fahrenden. Wie stark? Ganz genau kann man das nicht sagen, aber es gibt belastbare Indizien: 2016 gab es in der Schweiz ungefähr 330'000 E-Bikes, heute sind es rund 750'000. Vergleicht man also die Entwicklung des E-Bike-Bestandes und jene der Unfälle mit schwerverletzten E-Bike-Fahrenden, sieht man eine nahezu perfekte Korrelation.


Besonders markant zugenommen haben die Unfälle im Vergleich zur Vorjahresperiode, nämlich um 40 Prozent. In der ersten Hälfte dieses Jahres wurde in der Schweiz so viel Velo gefahren wie noch nie. Ein Forschungsprojekt der ETH zeigte, dass sich während des Lockdowns die zurückgelegten Tagesdistanzen fast verdreifacht haben. Es ist also mindestens wahrscheinlich, dass die Unfälle mit Schwerverletzten weniger stark gestiegen sind als die gefahrenen Kilometer. Das würde heissen, dass das Risiko zu verunfallen sogar gesunken ist. Und wieder: Das Astra verliert über diesen Zusammenhang kein einziges Wort.

Häufigste Unfallursache bei den schwer verunfallten Personen ist die nicht angepasste Geschwindigkeit», schreibt das Astra – und zwar vor allem bei E-Bike-Fahrenden. Immerhin 20 Prozent der Unfälle, die E-Bike-Fahrende verursacht haben, gehen darauf zurück, 2019 waren es nur 8 Prozent. Nur: 20 Prozent von was? Wie viele Unfälle wurden von E-Bike-Fahrenden verursacht? Auch hier: Kein Wort in der Medienmitteilung. Auf Rückfrage erklärt Astra-Sprecher Bielmann, 33 Unfälle seien auf nicht angepasste Geschwindigkeit zurückzuführen

Gar keine Aussage macht die Statistik darüber, ob und mit wem die E-Bike-Fahrenden kollidiert sind. Laut der holländischen Unfalldatenbank «The Crashes» sind 89 Prozent der getöteten Radfahrer in Holland mit einem Auto kollidiert. Das heisst nicht, dass die Autofahrer auch immer schuld waren, aber es erklärt, warum Unfälle mit Radfahrern derart gravierende Folgen haben. Das Astra verliert über diesen Zusammenhang kein einziges Wort.

Die Massnahmen, die das Astra in derselben Medienmitteilung zur Steigerung der Verkehrssicherheit bewirbt, sind durchaus umstritten. Insbesondere die Helmpflicht für langsame E-Bikes, würde keine einzige Kollision verhindern und könnte, so die Erfahrungen aus anderen Ländern, die Kosten für die Allgemeinheit sogar noch erhöhen statt sie zu senken. Auch hierzu: Kein Wort. Mehr dazu im Infosperber-Artikel Helmpflicht mit Nebenwirkungen.

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