«Futuritis»: Von einer Krise der Zukunft zum Totalitarismus

Mit dem Kunstwort „Futuritis“ will das «laboratoire européen d’anticipation politique» eine Zukunftskrankheit sichtbar machen, deren Entwicklungsprozess mit einem Mangel beginnt, von einer Explosion gefolgt wird und mit einem gigantischen Fieberausbruch endet.

(Bild: GEAB)

Mangel an Zukunft in den 2000er Jahren: Das Internet war bereits vorhanden, und selbst unvollendete supranationale Regierungsebenen (insbesondere die EU). Jedoch wurde klar, dass der Westen keine Vision, kein Projekt und keine Zukunft hatte: Blindheit gegenüber der Notwendigkeit von Veränderungen, Weigerung der bestehenden Systeme, sich selbst in Frage zu stellen, Eliten, die sich an ihre Reviere klammerten und in den sich verändernden Realitäten der Welt bestenfalls Ärgerlichkeiten sahen.

Explosion von Zukünften in den 2010er Jahren: Aber die Dinge haben sich danach sehr verändert und in den letzten zehn Jahren haben wir eine genauso pathologische Explosion im Angebot an Zukünften erlebt, jeder brachte seine Vorhersagen, Innovationen, Projekte und Visionen für die Zukunft ein, … , und stellte sich die Zukunft als jungfräulich und offen für den eigenen Gestaltungswillen vor.  In einer Welt, die voll mit Dingen war, erschien die Zukunft als die einzige Terra Incognita, offen für Abenteurer, die sich ohne irgendwelche Leitlinien in sie hineinstürzten. Doch die Zukunft ist so voll wie die Gegenwart und ohne eine verlässliche Karte ihrer harten Realitäten ergibt sich daraus eine große Karambolage von Zukünften, perfekt ausgedrückt durch all die politischen und geopolitischen Spannungen, die den Planeten real durchziehen.

Fieberanstieg ab 2020: Wir treten nun in die dritte Phase dieser gesellschaftlichen Krankheit ein: der Ausbruch des Fiebers, der aus einer gewaltigen „simplizistischen Säuberung“ der Zukunft besteht, die unserer Meinung nach alle Akzente des Totalitarismus hat.

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