Hyperinflation oder Insolvenz – Federal Reserve ist ratlos

Am 16.9. verschwand „plötzlich“ die Liquidität auf dem amerikanischen Repo-Markt, einer für das Bankensystem lebenswichtigen Arterie, und die Federal Reserve mußte in einer Notaktion 75 Mrd.$ Liquidität in Tageskredite pumpen. Doch die Marktlähmung hielt an.

Die Fed mußte an den nächsten drei Tagen jeweils den gleichen Betrag liefern, bis sie schließlich am 20.9. ankündigte, drei Wochen lang jeden Geschäftstag solche Repo-Geschäfte über 75 Mrd.$ durchzuführen. D.h., sie vergibt kurzfristige Kredite für 24 bis 48 Stunden an Banken, die als Sicherheiten Staatsanleihen, Papiere der halbstaatlichen Hypothekenbanken Fannie und Freddie und von diesen garantierte, hypothekenbesicherte Wertpapiere bieten. Darüber hinaus wird die Fed solche Kredite auch mit zwei Wochen Laufzeit anbieten.

In ihrer Erklärung erläutert die Fed, ihre Offenmarkt- Handelsabteilung werde ab 24.9. „drei 14tägige Repo- Operationen über einen Gesamtbetrag von jeweils mindestens 30 Mrd.$“ und „bis 10.10. auch täglich Repo-Tagesgeschäfte über einen Gesamtbetrag von jeweils mindestens 75 Mrd.$ anbieten“.

Parallel zu diesem Drama in den USA erlebte auch EZB-Chef Draghi mit seinem Liquiditätspumpen, das er einmal „Die Dicke Berta“ nannte, ein spektakuläres Fiasko: Bei der Ausgabe längerfristiger Kredite („TLTRO-3“) am 19.9. wollten die Banken der EZB die Kredite, die sie unter gewissen Bedingungen zu einem negativen Zinssatz von -0,50% anbot, einfach nicht abnehmen. Man hatte mit einer Nachfrage zwischen 20 und 100 Mrd.€ gerechnet, aber die  Banken wollten nur 3,4 Mrd.€. Der Grund dafür ist einfach, daß die Geschäftsbanken derzeit damit beschäftigt sind, ihre notleidenden Kredite loszuwerden, und keine Chance sehen, in einer schrumpfenden Wirtschaft Geld zu verleihen.
(siehe auch Manager-Magazin)

Das Gemeinsame in beiden Fällen ist, daß  die Federal Reserve nicht begreifen kann, was passiert. Die Wall Street sieht eine Krise der gesamten Finanzblase - der „Alles-Blase“ - kommen und hat nicht die nötigen Liquiditätsreserven, um damit fertig zu werden. Dafür macht sie die Fed verantwortlich, die in den vergangenen 18 Monaten ihren Vermögensbestand (und damit die Überschußreserven der Banken) um mehr als 1 Bio.$ reduziert hat. Das stimmt teilweise, weil die Blase mit immer mehr Liquidität refinanziert werden muß - hört diese Expansion auf, dann platzt sie.

Die Wall Street und die City haben bereits zu verstehen gegeben, daß sie „Hubschraubergeld“ in großem Umfang haben wollen, so wie beim „Go-Direct“- Vorschlag des Megafonds BlackRock, und tatsächlich ist dies im Rahmen des derzeitigen Systems die einzige verbleibende Option für die Zentralbanken. Ihre Alternative ist Zusammenbruch durch Insolvenz oder Zusammenbruch durch Hyperinflation.

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Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).

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24. September 2019
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