Wenn unsere Enkel noch gut auf der Erde leben sollen, sind viele kleine Schritte in unserem persönlichen Lebensstil nötig. Ein Netzwerk will helfen, dies gemeinsam und spielerisch zu erreichen.

„Schlugen wir der Welt auch Wunden, vielleicht habt ihr uns verziehen“, sang Udo Jürgens in seinem Lied an die Nachkommen, „Ihr von morgen“. Greta Thunberg verneinte das und drohte den Mächtigen: „We will never forgive you!“ Wie können wir so leben, dass unsere Enkel uns nicht verfluchen werden? Diese Frage beschäftigt derzeit viele, und Vorschläge gibt es zur Genüge: Fleischfrei leben, weniger fliegen usw. Schwieriger als in kurz aufwallender Begeisterung gute Vorsätze zu fassen, ist es allerdings, eine Veränderung der Lebensgewohnheiten langfristig einzuüben.

Hierbei zu helfen, hat sich die Initiative „Enkeltauglich leben“ zum Ziel gesetzt. Es handelt sich weniger um ein Seminarkonzept als um eine offene Plattform. An jedem Ort können Menschen „Enkeltauglich“-Kreise bilden, sich als Gastgeber oder „Spielleiter“ zur Verfügung stellen. Die Bezeichnung „Spielleiter“ (statt Referent) zeigt den lockeren Charakter des Konzepts, das die Initiatoren kreiert haben, obwohl die Lage ernst ist.  Der Kreis trifft sich monatlich an zunächst sechs Abend. Dabei fasst jeder Teilnehmer einen Plan, was er bis zum nächsten Mal verändern will. Über seine Erfahrungen berichtet er dann und bekommt Feedback. Die Teilnehmer lernen immer auch von allen anderen, denn die Probleme, was zukunftsfähiges Leben betrifft, ähneln einander.

Auch kleine Veränderungen zählen.

Kurt will einen Monat lang auf Fleisch verzichten. Es fällt ihm schwer, gibt er zu. Monika lebt eh schon überwiegend vegan und nimmt sich etwas anderes vor: binnen vier Wochen zu einer ethisch orientierten Bank zu wechseln. Auch kleine Veränderungen zählen. Martina brachte einen „Keine Werbung“-Aufkleber an ihrem Briefkasten an. Andrea, die gern gärtnert, organisierte in der Nachbarschaft eine Saaatgut-Tauschparty. Der Nachhaltigkeitsforscher Niko Paech jedenfalls ist begeistert: „Die entscheidende Frage lautet: Was steht einem einzelnen Individuum an materiellen Freiheiten zu, so dass es nicht über seine Verhältnisse lebt? Einen solchen Lebensstil spielerisch zu erarbeiten, ist ein guter Ansatz, weil er die Menschen motiviert.“

https://www.enkeltauglich-leben.org/