40 Prozent mehr Depressive in zehn Jahren

Der neueste Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse aus Deutschland hat es in sich. Er analysiert jedes Jahr die Krankenstandsdaten sowie Arzneimittelverordnungen der bei der TK versicherten Erwerbspersonen. Dazu zählen derzeit 3,4 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte sowie Arbeitslosengeld I-Empfänger. Obwohl der Krankenstand mittlerweile mit 3,3 Prozent wieder das Niveau von vor zehn Jahren erreicht hat, haben die psychisch bedingten Krankschreibungen bei Deutschlands Erwerbspersonen im selben Zeitraum um fast 40 Prozent zugenommen.

Hauptursachen für Fehlzeiten der Beschäftigten und Arbeitslosen in Deutschland sind danach neben Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zunehmend psychische Störungen. Von den gut zwölf Tagen, die jeder im letzten Jahr krankgeschrieben war, waren 1,6 Tage psychisch bedingt. Professor Dr. Norbert Klusen, Vorsitzender des TK-Vorstandes:

„Die Arbeitswelt hat sich in diesen zehn Jahren deutlich gewandelt. Immer mehr Beschäftigungsverhältnisse sind befristet, dank moderner Kommunikationsmittel sind wir mittlerweile rund um die Uhr und nahezu überall erreichbar. Das geht an den Menschen nicht spurlos vorbei."

Klusen bezeichnete die heutige Arbeitswelt als „Pop up-Gesellschaft", in der der Arbeitsrhythmus immer seltener selbstbestimmt ist. Immer häufiger würden der Computerbildschirm und die darauf erscheinenden Pop up-Fenster über neue Posteingänge, Kurznachrichten und Ähnliches Arbeitsabläufe diktieren.

Beunruhigend ist laut TK auch das enorme Volumen der verordneten Antidepressiva, das sich innerhalb der letzten zehn Jahre bei Frauen nahezu verdoppelt hat. Bei Männern liegt der Zuwachs sogar bei fast 120 Prozent. Auffällig ist zudem, dass arbeitslose Frauen doppelt so viele Antidepressiva erhalten wie berufstätige Frauen. Arbeitslose Männer liegen sogar um 200 Prozent über dem Volumen der Berufstätigen.







Dieser Text stammt aus dem lesenswerten Infoportal von Joachim Jahnke, wo auch mehr Details zu dieser Thematik zu finden sind:
http://www.jjahnke.net/



Joachim Jahnke: Die zweite Grosse Depression - wo die Krise herkommt – wo sie hinführt – was tun? Shaker-media, 2009. 180 S. 94 Abb. € 14.95