Als Weltbürger Verantwortung übernehmen

Was bedeutet es, als Weltbürger zu handeln? Diese Frage wurde am Weltbürger-Symposium 2011 in der Villa Unspunnen diskutiert.

Am Beispiel der Entwicklung unseres Universums wurde erklärt, wie sich Materie, Natur und Geist im Rahmen der Evolution – vom Sternenstaub über Einzeller zu Pflanzen und Tieren bis hin zum Menschen - zu immer grösserer Komplexität entwickelten. Heute stehen wir mitten in der Evolution des Bewusstseins selbst, wo uns u.a. die Quantenphysik lehrt, dass ursprünglich keine Materie war, nicht einmal Energie, sondern nur eine «Suppe» reiner Potenzialitäten, also von Möglichkeiten, die durch zufällige Anstösse zu den heute bekannten Formen führten.



Am Anfang, so weiss heute auch die Wissenschaft, war reiner Geist. Die Materie entstand daraus erst viel später als eine Form, ähnlich einem Aggregatszustand von Wasser oder anderen Elementen – wandelbar und vergänglich. Heute sind wir in der Lage, diese Entwicklung zu verstehen und auch ihre Zielgerichtetheit zu erkennen. Wir sehen uns als Teil oder Aspekt dieses Einen Ganzen. Unsere Aufgabe ist es, die immer schon da gewesenen Einheit in unseren Herzen zu erkennen und in diesem Geist mit dem Einsatz all unserer Fähigkeiten und Potenziale an diesem gigantischen kosmischen Projekt mitzuwirken.



Wir sind dazu aufgerufen, eine neue Kultur mit neuen Werten zu schaffen. So steht etwa Kooperation in dieser Kultur über Prinzipien der Konkurrenz und der Befriedigung egoistischer Ziele. Konkurrenz kann dort eingesetzt werden, wo sie Sinn macht – aber immer im Dienste der übergeordneten Kooperation, die die Leitplanken setzt. Feuerwehrübungen im Sinne rascher Hilfen sollen bei Katastrophen, Krankheiten, Not und Elend etwa weiter eingesetzt werden, doch immer im Bewusstsein, dass sie nur lindern, nicht wirklich helfen. Deshalb müssen wir gleichzeitig an den Wurzeln arbeiten.



Ein Beispiel: In der Sahelzone regnet es immer weniger, das Wasser wird knapp, die Felder beginnen auszutrocknen, die Tiere und Menschen verhungern und verdursten. Die übliche Feuerwehrübung besteht darin, neue tiefere Brunnen zu graben, um Wasser zu fördern. Belässt man es dabei, werden in wenigen Jahrzehnten zehn- oder hundertmal so viele Leute verdursten, da der Grundwasserspiegel weiter absinkt und schliesslich zu Ende geht. Also muss man zusätzlich auf einer übergeordneten, systemischen Ebene etwas tun: etwa Wasser aus anderen Gegenden zuleiten und versuchen, wieder aufzuforsten, damit ein neues, lokales Mikroklima entsteht.





Weitet man den Blick noch mehr, erkennt man: Durch das Ableiten des Wassers und/oder das Bauen von Staudämmen in anderen Gegenden entstehen neue, überregionale Probleme. Schliesslich muss man sich auch die Frage stellen, wo überall auf unserem Planeten wir solche oder andere Wachstumsmotoren längerfristig einrichten wollen, ohne dass das Wachstum selbst zum Overkill führt - sei es durch das Entstehen von Konflikten oder durch die Folgen solchen Tuns (Gefahren, Klimawandel usw.). Es braucht also systemisches Denken und Handeln auf vielen Ebenen – von der lokalen bis hin zur globalen Ebene. Und dies gleichzeitig.



Um besser Wirken zu können sollte man nicht von «Unten nach Oben», also von den konkreten, lokalen und individuellen Problemen, Wünschen und Begehrlichkeiten her denken. Sondern sich gemeinsam an einen Tisch setzen, und von der vorhandenen «gemeinsamen Weisheit», von Werten wie der goldenen Regel (Tue anderen nichts an, das Du nicht selber von andern erleiden möchtest), und Grundsätzen wie der allen Menschen (und Tieren, Pflanzen usw.) eigenen Würde sowie ihrem natürlichen Recht auf möglichst freie, artgerechte Entwicklung.



Ein wunderbares Beispiel für die Umsetzung solchen Denkens in der Praxis war der Auftritt der Musikergruppe «Spira Mirabilis». Diese diskutierte mit den Anwesenden ihre Idee, ohne Dirigent gemeinsam Musik zu spielen, immer nur gerade im Moment, aus dem Hier und Jetzt heraus. Einerseits muss dabei jedes Musiker all seine Fähigkeiten und Kreativität einsetzen, anderseits aber auch auf das eingehen, was die andern einbringen, um so einen einzigen Klangkörper zu bilden – um schliesslich ein «einziges Eines» zusammen mit der Musik und den Zuhörenden zu werden. Wie gut ihnen das gelungen ist, hat das unglaublich starke Feld gezeigt, in den sich alle Anwesenden – jenseits aller individuellen Persönlichkeiten – erkennen konnte. Ein eindrückliches Erlebnis für alle Teilnehmenden.




18. Dezember 2011
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