Chinas Bankensystem hat Bankentrennung und wenig Derivate

Kürzlich wurden wir auf einen hochinteressanten Bericht über die Debatte um Bankentrennung in China aufmerksam gemacht. Der Bericht aus dem Jahr 2010 stammt vom früheren Vizechef der People’s Bank of China, YI Gang, und erschien als viertes Kapitel eines Buches mit dem Titel „Die chinesische Wirtschaft transformieren“ . In diesem Kapitel „Die inhärente Logik der Bankenreform Chinas“ schreibt Yi: „In der Anfangsphase der Reform und Öffnung [1991-92] übernahm China das gemischte Geschäftsmodell [d.h. das Universalbankenmodell], unter dem eine Geschäftsbank (China Communications Bank) Broker-Versicherungsgeschäfte tätigen durfte. Inmitten wirtschaftlicher überhitzung und finanziellem Chaos Ende Juni 1993... sahen die politisch Verantwortlichen die Schuld teilweise beim gemischten Geschäftsmodell und entschieden, auf die Erfahrung der USA mit der Trennung von Geschäftsbank- und Investmentgeschäft zurückzugreifen.“

Yi beschreibt dann die Bank- und Wertpapiergesetze, die daraufhin beschlossen wurden, und merkt an: „China setzte offiziell auf den Kurs, Geschäfts- und Investmentbanking zu trennen, und schrieb Geschäftsbanken vor, sich von ihren Wertpapierfirmen und Investmentunternehmen zu trennen.“ In dem Kapitel beschreibt Yi weiter, wie ein Jahrzehnt später wieder über diese Frage diskutiert wurde, als Ökonomen (darunter er selbst!) für die „Universalbanken“ plädierten. Doch der transatlantische Finanzkrach 2007-08 besiegelte die Angelegenheit erneut zugunsten des Glass-Steagall- Prinzips.

Darüber hinaus wird in einem neueren Bericht der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) über chinesische Banken betont, daß Derivate weiterhin nur einen kleinen Anteil der Geschäfte von Chinas Geschäftsbanken ausmachen - im Gegensatz zu den westlichen „systemrelevanten“ Großbanken. Chinas Derivatmarkt entspricht laut der BIZ nur 0,33% des Weltmarkts. Gemessen an Chinas Anteil am Wirtschaftsprodukt der Welt ist sein Bankensektor offensichtlich bei Derivaten sehr vorsichtig.


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


Der lesenswerte Newsletter kostet 250 € im Jahr. Er wird vom E.I.R.-Verlag herausgegeben, zu bestellen bei: Caroline Hartmann, c.hartmann@eirna.com

Hintergründe über die Politik der Troika erfahren Sie an der Gelddebatte mit Harald Schumann, Autor und Filmemacher: «Finanzkrise und Demokratie – wie Troika und Bankenrettung demokratische Grundsätze aushebeln». 4. Mai 2015, 19.00 Uhr, Volkshaus Zürich. Weitere Infos: www.gelddebatten.ch
30. April 2015
von: