Der große Irrtum: 91 % an globaler Staatsverschuldung ist immer noch strukturell und nicht krisenbedingt

Wegen der vielen Notprogramme gegen die Krise entsteht der Eindruck, die wachsende Staatsverschuldung sei ein unvermeidbares Produkt der Krise. Doch der weitaus größte Teil der Haushaltsdefizite, die die Staatsverschuldung antreiben, ist seit sehr vielen Jahren strukturell bedingt und wird sich nach Ende der Krise noch weiter verstärken (Abb. 16134). Deshalb steigt auch die Staatsverschuldung seit sehr vielen Jahren ständig an (Abb. 15208).



Die Kosten der Kreditkrise, der Bankenrettungsprogramme und der Rezession haben die Verschuldung in den großen Industrieländern nur um etwa 9 % angeschoben. Der Rest kommt aus den wachsenden strukturellen Kosten alternder Bevölkerungen für Renten, Gesundheit und Pflege, die noch stark zunehmen werden, wenn die Generation des Babybooms um 2020 in die Rente geht. Ein anderer Teil geht auf ständige Steuersenkungen für Unternehmen und Spitzenverdiener zurück, wie in Deutschland. Damit setzten sich einerseits die Interessen der Besserverdiener global durch, andererseits versuchten die Regierungen, ihre Unternehmen in eine bessere Wettbewerbssituation zu bringen, nicht zuletzt gegenüber China, dessen Lohnkosten gemessen an der Gesamtwirtschaftsleistung immer mehr zurückgingen.
Am Ende wird diese Lawine nur durch drastische Steueranhebungen bei den sozial Stärkeren und den Unternehmen, verbunden mit strikten Absprachen gegen Steuerdumping, aufzuhalten sein. Die neoliberale Globalisierung der letzten Jahre, die den Unternehmen die Verlagerung an steuergünstigere Standorte und reichen Individuen die Kapitalflucht ermöglicht hat und so einen Steuerwettlauf nach Unten auslöste, muß zurückgedreht werden, wenn - von den Staatsfinanzen ausgehend - nicht eine weit größere Krise an den Finanzmärkten herbeigeführt werden soll, als wir sie gerade erleben.

Dieser Text stammt aus dem lesenswerten Infoportal von Joachim Jahnke, wo auch mehr Details zu dieser Thematik zu finden sind:
http://www.jjahnke.net/

Joachim Jahnke ist Autor mehrerer Bücher über die Hintergründe des Wirtschaft. Vor kurzem ist erschienen:



Joachim Jahnke: Die zweite grosse Depression – wo die Krise herkommt, wo sie hinführt, was tun? Shaker Verlag, 2010. 180 s., 94 Abb. € 14,95.
Mehr dazu: www.jjahnke.net/1929.html