Deutsche Wähler belohnen «Putin-Versteher»

Der Durchbruch der Partei Alternative für Deutschland (AfD) bei der Landtagswahl in Brandenburg am 14. September ist in erster Linie ein Erfolg des prorussischen Wahlkampfs des Spitzenkandidaten der Partei, Alexander Gaulkand. Während andere führende AfD-Politiker Mitte Juli im Europaparlament für eine Resolution stimmten, die Russland als «Aggressor» verurteilt, und am 16. September für das Assoziierungsabkommen mit der Ukraine votierten, stellte Gauland im Wahlkampf den notwendigen Dialog mit Russland in den Mittelpunkt, was der vorherrschenden Stimmung in der deutschen Bevölkerung entspricht. Die AfD erreichte daraufhin in Brandenburg 12,2%, nur 1,8% weniger als die SPD. Das macht Gauland zu einer starken Figur in der Partei, und sie könnte sich sogar spalten, wenn der Vorsitzende Bernd Lucke und andere weiter die angloamerikanische Linie vertreten.

In einem Interview mit Zeit online am 11. September sagte Gauland darauf angesprochen: «Ich bin im Grunde erst bekannt geworden dafür, dass ich für mehr Verständnis für Russland werbe.» Zur Abstimmung im Europaparlament im Juli sagte er: «Ich hätte das nicht gemacht, das gebe ich offen zu. Ich glaube, dass wir Russland 1989/90 falsch behandelt haben. Wir haben den Kalten Krieg offiziell beendet, ihn aber weitergeführt. Der Westen hat damals zugesagt, dass die NATO sich nicht weiter nach Osten erweitert ... Alle, einschliesslich des Demokratie-Helden Gorbatschow, haben die Krim-Annexion bejubelt, die wir so furchtbar finden. Und die Bevölkerung auch. Russland hat sich völkerrechtswidrig verhalten. Damit müssen wir umgehen.»

Zur Haltung des Westens gegenüber Russland zog Gauland diesen historischen Vergleich: «Denken Sie an 1866, Preussen-Österreich: Der Krieg war zu Ende und der König von Preussen war so stolz, dass er vor der Wiener Hofburg eine Parade abhalten wollte. Da ist der Bismarck vor ihm auf die Knie gegangen, hat die Beine umfasst und gesagt: Majestät, lassen Sie das; demütigen Sie nie ein grosses Volk, wir brauchen die Österreicher noch. Zornig war der König, aber er hat auf ihn gehört. Das ist eine Haltung, die ich bewundere. Der Versuch, Russland auch psychologisch zu verstehen, wird bei uns im Westen nicht gemacht.»


Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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07. Oktober 2014
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