Die Kasinowirtschaft beenden, um die Kriegsgefahr zu überwinden!

Die Eskalation der Gewalt in der Ukraine, u.a. mit der Entführung von Militärbeobachtern der OSZE, unterstreicht, wie wichtig es ist, die von vier EU-Außenministern mitgetragene Vereinbarung vom 21. Februar und die Genfer Einigung der vier Parteien vom 17.4. praktisch umzusetzen. Da die durch den Putsch in Kiew an die Macht gelangte Regierung zu schwach oder nicht willens ist, die Genfer Erklärung durchzusetzen, sollte die OSZE handeln, um zwischen allen Kräften in der Ukraine zu vermitteln, die Gewalt und den Militäreinsatz zu beenden, illegale Einheiten zu entwaffnen und einen allgemeinen Dialog einzuleiten.

Offensichtlich ist die Regierung Obama nicht daran interessiert, in der Ukraine stabile Verhältnisse zu schaffen. Wie Rußlands Außenminister Sergej LAWROW am 23.4. in einem Interview mit Russia Today sagte, begann Kiews sogenannte „Anti-Terror-Operation“ in der Ostukraine unmittelbar nach dem Besuch von CIA-Chef John Brennan in Kiew. Nach einer kurzen Unterbrechung im Zusammenhang mit den Genfer Verhandlungen setzte dann die Regierung den Militäreinsatz fort, just als USVizepräsident BIDEN in Kiew war. „Ich habe also keinen Grund, daran zu zweifeln, daß die Amerikaner das Geschehen unmittelbar bestimmen“, so Lawrow.

Darüber hinaus behauptet die Staatssekretärin im US-Außenministerium Victoria Nuland (berüchtigt für ihren Ausspruch „F... the EU“), die Entwaffnung beträfe nur die „Separatisten“ in der Ostukraine, nicht aber Okkupanten in Kiew, weil die inzwischen „Genehmigungen“ erhalten hätten und deshalb „nicht mehr illegal“ seien. Um den Bürgerkrieg anzuheizen, hat der Anführer des Rechten Sektors, Dmitri Jarosch, letzte Woche angekündigt, seine Bewegung verlege ihr Hauptquartier in den Osten des Landes, um „die Ausbreitung der Infektion durch den Kreml zu verhindern“.

Die Lage erfordert ein sofortiges Handeln, insbesondere von der EU und Rußland. Die USA müssen nicht federführend beteiligt sein, da die Ukraine kein NATOMitglied ist. Die USA haben auch keine eigenen strategischen Interessen in der Ukraine, die sie verteidigen müssten, wie Generalstabschef Martin Dempsey informierten Stellen zufolge Präsident Obama persönlich mitgeteilt hat.
Unter den gegenwärtigen Umständen ist es praktisch ausgeschlossen, daß in der Ukraine die Präsidentschaftswahl wie geplant am 25. Mai erfolgreich durchgeführt werden kann.

In einem Beitrag vom 26.4. betont Helga Zepp-LaRouche jedoch:„Wichtiger noch als diese konkreten Schritte für eine Deeskalation in der Ukraine selbst aber ist die Veränderung der strategischen Rahmenbedingungen, die die Kulisse für diese Krise abgeben. Denn nicht nur die Ukraine, wo das Durchschnittseinkommen inzwischen von 400 auf weniger als 300 Euro geschrumpft ist, ist wirtschaftlich am Ende. Der gesamte transatlantische Finanzsektor ist bankrott. Weder die meisten amerikanischen ,systemrelevanten’ TBTF-Banken noch ein Großteil der europäischen Banken, die derzeit einem Streßtest durch die EZB und die EU-Behörde EBA unterzogen werden, sind ohne fortgesetzte Rettungspakete und Quantitative Lockerung (QE), also hyperinflationäres Gelddrucken, überlebensfähig,während das inzwischen als Gesetz verabschiedete ,Bail-in’, also die Enteignung der Konteninhaber und Besitzer von Bankaktien und -anleihen, den augenblicklichen, katastrophalen Kollaps der Realwirtschaft zur Folge hätte.

In diesem drohenden Zusammenbruch des von London und der Wall Street dominierten transatlantischen Finanzsystems liegt der eigentliche Grund für die akute Kriegsgefahr. Denn in London und New York regieren die gleichen geopolitischen Impulse, die bereits die Vorgeschichte des Ersten Weltkriegs bestimmt haben.
Wie die geopolitische Ideologie des angeblich unüberbrückbaren Interessengegensatzes des eurasischen ,Herzlandes’ und der atlantischen ,Randländer’ von Halford Mackinder und Lord MILNER dazu beitrug, das Schachbrett vorzubereiten, auf dem dann der Erste Weltkrieg ausgetragen wurde, so sieht die heutige imperiale Finanzoligarchie im relativen Wachstum Asiens eine Bedrohung.
Die Notwendigkeit, diesem Finanzimperium - auch Globalisierung genannt - immer weitere Teile der Welt zum Zwecke der primitiven Akkumulation der dortigen Ressourcen einzuverleiben, steht letztlich auch hinter der immer weiter fortschreitenden Ostausweitung der Nato und der EU, ebenso wie die Einkreisung Chinas durch ein Geflecht von Militärallianzen im pazifischen Raum.
Die einzige Weise, die Kriegsgefahr wirksam zu überwinden, liegt deshalb in der Beendigung der kriegstreibenden Kasinowirtschaft Londons und der Wall Street.“

  

Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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03. Mai 2014
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