Draghis Erbe: Italienische Regierung erleidet jährlich 3 Mrd.€ Verlust mit Derivatwetten

Verbraucherschützer und Oppositionspolitiker fordern eine lückenlose Aufklärung über die Derivatgeschäfte der italienischen Regierung. Nach offiziellen Angaben haben diese Geschäfte einen Nennwert von 160 Mrd.€, sie sind aber nach dem aktuellen Marktwert 42 Mrd.€ weniger wert. Von 2011-14 machte der Staat mit den Geschäften 12 Mrd.€ Verlust, die an 17 ausländische und zwei italienische Banken gezahlt werden.

Man vermutet, daß Italien mit Hilfe von Derivaten das wahre Ausmaß der Staatsverschuldung versteckte, vor allem um in den 90er Jahren die Bedingungen zum Euro-Beitritt zu erfüllen. Damals war Mario Draghi Generaldirektor des Finanzministeriums und diente den Regierungen der Ministerpräsidenten Carlo Azeglio Ciampi und Romano Prodi. Ciampi war selbst ein ehemaliger Zentralbanker, Prodi und Draghi arbeiteten beide zeitweise für Goldman Sachs. Als EIR in einer Pressekonferenz der EZB am 4. Juli 2013 Draghi darauf ansprach, verteidigte er seine Entscheidungen, es sei „klug“, mit Steuergeldern Derivatgeschäfte einzugehen: „Das ist eine Art Versicherung. Wenn man etwas in Devisen ausgibt, will man sich gegen das Wechselkursrisiko absichern.“ Er behauptete auch, mit den von ihm gekauften Derivatverträgen seien die Zahlen der Staatsverschuldung nicht geschönt worden.
Aber weil sich die Regierung weiterhin weigert, den Wortlaut der Derivatverträge zu veröffentlichen, drängt sich der Eindruck auf, daß sie etwas zu verstecken hat.



Caroline Hartmann redigiert den wöchentlichen Newsletter des Schiller-Instituts e.V., aus dem dieser Text entnommen ist. Das Schiller-Institut mit Sitz in Laatzen bei Hannover wurde 1984 gegründet und wendet sich «gegen die trotzigen Anmassungen der Fürstengewalt» (Schiller).


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